Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welche Chancen hat Malik Harris in Turin?
esiststeffen
15.05.2022, 13:44
Imre Grimm rekapituliert nochmal alles, was in einem kleinen Internetforum schon seit Jahren gepredigt wird:
https://www.rnd.de/medien/esc-2022-sieben-gruende-warum-deutschland-mit-malik-harris-letzter-wurde-GBLXMTLSWVAFLFS4XTJADTEDXA.html
Was Imre Grimm allerdings nicht erwähnt, ist, dass es ja dieses Jahr einen Kandidaten gegeben hätte, der sehr viele der in dem Artikel geforderten Qualitäten mitgebracht hätte. Einen Kandidaten, der gewollt hätte – und den das Publikum gewollt hätte. Aber der NDR wollte ihn nicht. #dagreiftmansichdochandenkopf
Prinzipiell stimme ich sowohl dir als auch Imre zu. Allerdings mit der Einschränkung: Wenn man sich anschaut, wie Deutschland seit Lena am erfolgreichsten abgeschnitten hat, dann waren das nun gerade die beiden Acts, die Malik Harris am nächsten kamen: Roman Lob und Michael Schulte. Beides auch eher langweilig-harmlose Schwiegersohntypen, die nullkommanull polarisieren, mit jeweils einem möglichst massentauglichen Radiosong. Im Grunde könnte man meiner Meinung nach etwas pointiert sagen: Roman Lob, Michael Schulte und Malik Harris hätten ihre drei ESC-Songs jeweils untereinander austauschen können und es wäre kaum jemandem aufgefallen. Der Unterschied ist aber: Auf der großen ESC-Bühne hat man aus den anderen beiden Herren dann richtig was gemacht. Gerade bei Schulte war ich ja bis wenige Tage vor dem ESC-Finale überzeugt, dass das eins der üblichen Debakel werden würde. Aber es war die Inszenierung auf der Bühne, durch die er dann richtig punkten konnte. Eine Chance, die man wie gesagt bei Harris komplett in den Sand gesetzt hat.
Eulenspiegel
15.05.2022, 13:47
Das Superbrain war Thomas Hermanns. Der offenbar schlauer ist als der ganze NDR zusammen.
https://www.eurovision.de/videos/2020/ESC-2022-Die-Aftershow-Party-nach-dem-Finale,aftershow100.html
Die Aussage kommt schon nach knapp weniger als einer Minute.
Jo, die andere Mumie...neben Peter Urban...dessen einzige Daseinsberechtigung im Deutschen Fernsehen daraus zu bestehen scheint..seit 30 Jahren immer dieselben langweiligen Geschichten...
Leute wie er sind das Problem...German Spießertum hoch 1000. ...
Eulenspiegel
15.05.2022, 13:52
Vermutung: Beim NDR kommt jedes Jahr jemand (oder mehrere) mit dem Argument: aBeR LEnA hATTe dOch AUcH kEInE wILdE SHow!!!! (Stimmt, aber dafür hat Lena ein besonders strahlendes Charisma, von dem man einfach nicht ablenken wollte, und das war auch richtig so.)
Und bei Malik kam man wohl auf die Idee, auf der Bühne darzustellen, dass er ganz viele Instrumente spielen kann, und das ist doch ganz toll und bewundernswert und verdient, in den Mittelpunkt gestellt zu werden! (Ja, vielleicht, aber dann nicht so lieblos und random.)
Wenn man schon auf Jacob Collier macht, dann hätte man wenigstens so tun könmen, als ob man dke Instrumente auch beherrscht...so machte sich Deutschland selbst bei den Arbeitern in Turin nir zum Gespött...die mussten nämlich jedesmal den sinnlosen Krempel aufbauen und wieder wegräumen...und machten ihren Frust ja auch im Jury Fimale deutlich...als sie Malik signalisierten...nicht im Weg zu stehen und nach dem Auftritt schnell von der Bühme....
...
Hmm ... also wenn man sich die Auftritte von Schulte und Harris direkt hintereinander anschaut und anhört, dann kann man gut erkennen, dass Kleinigkeiten den Unterschied ums Ganze machen können. Ja, die Songs sind von der Richtung her vergleichbar, aber bei Schulte wirken Interpret, Lied und Inszenierung wie ein stimmiges Ganzes; es ist, als erzähle uns der Sänger eine persönliche Geschichte und nehme uns mit auf eine Reise, und er verkörpert auch glaubhaft seine Musik. Harris dagegen wirkt wie ein zufällig ausgewählter Interpret für ein zufällig ausgewähltes Lied (so ähnlich wie damals Ann Sophie und Black Smoke). Und, bitte, Rockstars, allein schon der Name.
Bei Deinem dritten Beispiel, Roman Lob, komme ich zugegeben bei einer Erklärung ein bisschen ins Schleudern, ich war ja damals schon kein Fan ;). Ich würde schon sagen, dass auch hier Typ wie Song einnehmender sind als beim Fall gestern. Aber hier auch mal @Eulenspiegel recht geben, dass – so auch mein Eindruck – die musikalische Qualität beim ESC insgesamt gestiegen ist, es ist heute mehr als damals ein Wettbewerb kontemporärer Popmusik, auch die Genrevielfalt ist größer geworden. Ich vermute, Lob wäre gestern mit demselben Auftritt nicht mehr so gut abgeschnitten wie 2012.
esiststeffen
15.05.2022, 15:00
Hmm ... also wenn man sich die Auftritte von Schulte und Harris direkt hintereinander anschaut und anhört, dann kann man gut erkennen, dass Kleinigkeiten den Unterschied ums Ganze machen können. Ja, die Songs sind von der Richtung her vergleichbar, aber bei Schulte wirken Interpret, Lied und Inszenierung wie ein stimmiges Ganzes; es ist, als erzähle uns der Sänger eine persönliche Geschichte und nehme uns mit auf eine Reise, und er verkörpert auch glaubhaft seine Musik. Harris dagegen wirkt wie ein zufällig ausgewählter Interpret für ein zufällig ausgewähltes Lied (so ähnlich wie damals Ann Sophie und Black Smoke). Und, bitte, Rockstars, allein schon der Name.
Bei Deinem dritten Beispiel, Roman Lob, komme ich zugegeben bei einer Erklärung ein bisschen ins Schleudern, ich war ja damals schon kein Fan ;). Ich würde schon sagen, dass auch hier Typ wie Song einnehmender sind als beim Fall gestern. Aber hier auch mal @Eulenspiegel recht geben, dass – so auch mein Eindruck – die musikalische Qualität beim ESC insgesamt gestiegen ist, es ist heute mehr als damals ein Wettbewerb kontemporärer Popmusik, auch die Genrevielfalt ist größer geworden. Ich vermute, Lob wäre gestern mit demselben Auftritt nicht mehr so gut abgeschnitten wie 2012.
Jup, das sind Einschätzungen, die ich gut teilen kann. Gerade auch "ein zufällig ausgewählter Interpret für ein zufällig ausgewähltes Lied", das passt in der Tat gut zu dem Auftritt gestern. Wenn ich mich heute noch richtig erinnere, war ich damals während USFB übrigens auch kein großer Fan von Roman, weil ich den Eindruck hatte, die Mädels würden ihn auch dann nach Baku voten, wenn er das Kölner Telefonbuch sänge, weil sie ihn ja so knuffig finden – auch wenn das für den großen ESC natürlich nicht ausreichend gewesen wäre. Als dann aber "Standing Still" für ihn ausgewählt worden war, war ich angenehm überrascht, weil das für mich ein hochwertiges Lied mit Charakter war. Rückblickend betrachtet ist etwas schade, dass er direkt nach Lena für Deutschland singen musste, sonst hätte man seinen Erfolg hierzulande sicher mehr zu würdigen gewusst. Und ja, wie du ganz richtig schreibst: Bei ihm wie auch bei Michael Schulte hat man es geschafft, den Interpreten, das Lied und die Performance zu einem stimmigen Ganzen zu formen. Das hat bei Malik Harris gefehlt.
support4lena
15.05.2022, 15:44
und feuert Alexandra Wolfslast
And before that wolfslast eats my grandma, give that wolfslast a banana...
Tiny Tim
15.05.2022, 19:36
Malik hat aus Österreich, der Schweiz und Estland je 2 Punkte von den Zuschauern erhalten.
https://www.spiegel.de/kultur/musik/esc-ergebnisanalyse-wie-deutschland-schon-wieder-letzter-wurde-a-d61315ba-744a-483f-b472-0c67ff8420fb
Malik hat aus Österreich, der Schweiz und Estland je 2 Punkte von den Zuschauern erhalten.
https://www.spiegel.de/kultur/musik/esc-ergebnisanalyse-wie-deutschland-schon-wieder-letzter-wurde-a-d61315ba-744a-483f-b472-0c67ff8420fb
Wahrscheinlich hat in diesen (und vielen anderen) Ländern die übergroße Mehrheit der Anrufer für die Ukraine gestimmt. Dadurch brauchte man nicht so viele Anrufe wie in anderen Jahren, um die zwei Punkte zu sichern. Allerdings wäre mir neu, dass in Estland viele Deutsche wohnen. Diese zwei Punkte sind wahrscheinlich echt.
Das Setting war auf Malik abgestimmt. Darin fühlte er sich wohl und es wirkte auch sehr leidenschaftlich. Das Grundproblem war der Fokus auf Radiosongs. Von allen Vorentscheid Kandidaten war er für viele der Beste. In Deutschland hat er Erfolg, aber für Turin genügte es nicht. Obwohl ich selbst auch mit mehr Punkten gerechnet hätte.
Wie Lena wohl mit Satellite in Turin abgeschnitten hätte? Vermutlich Mittelfeld oder bestenfalls Top 10.
Frage mich auch wonach die Juries bewerteten? Also nicht nach Gesamtpaket, sonst hätten Moldau, Serbien oder Norwegen besser abgeschnitten.
Vor dem Finale gab es einen guten Artikel über Malik - auch von Imre Grimm:
https://www.rnd.de/medien/esc-deutscher-kandidat-malik-harris-kaempft-um-sympathien-NYTQWQYXVFG2RKCU4Z6RRL5SNI.html
Schon jetzt ist zu ahnen, dass Harris den ESC nicht braucht, um sich als Musiker durchzusetzen. Kann schon sein, dass er im unteren Drittel landet. Wen kümmert‘s? Das anschließende Geläster ist eingepreist. Und wahr ist eben auch: Hier geht es um mehr als um die Frage, ob Deutschland seine verheerende ESC-Elendschronik aufbessern kann oder nicht. Und Malik Harris ist ein Teil davon. Mehr kann man nicht verlangen in diesen Zeiten.
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