Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was würde Lena denken wenn sie das Forum lesen würde?
Wer auf der Bühne nichts spielen muß, sondern das Singen auf ihr benutzt, um die eigene Persönlichkeit "sichtbar" zu machen, ist schlicht viel überzeugender. Deshalb vermute ich auch, daß sie bei aller möglicherweise vorhandenen Begabung im Fach Schauspiel nicht sooo erfolgreich sein kann wie im Bereich Musik. Denn sie könnte ja nicht ständig Rollen spielen, die ganz nah' an ihrem Selbst sind.
Dem muss ich doch widersprechen.
Erstmal hat das eine (Singen) mit dem anderen (Schauspielen) nichts zu tun.
Zum anderen gibt es dann aber doch massenhaft Schauspieler(innen), die ihr Leben lang tatsächlich genau das machen: Sich selbst spielen, und zwar ziemlich erfolgreich.
Economist
25.09.2010, 21:35
Dem muss ich doch widersprechen.
Erstmal hat das eine (Singen) mit dem anderen (Schauspielen) nichts zu tun.
Zum anderen gibt es dann aber doch massenhaft Schauspieler(innen), die ihr Leben lang tatsächlich genau das machen: Sich selbst spielen, und zwar ziemlich erfolgreich.
(Auch an Absolutwig gerichtet) Ich habe ja nur eine Vermutung geäußert, und man kann momentan ja auch keinen echten Vergleich durchführen, da sie zwar singt aber (noch) nicht schauspielert (diese zwei Kurzauftritte in Doku-Soaps zähle ich nicht). Bei gleichem Talent ist aber wohl für die Schauspielerei mehr handwerkliches Rüstzeug nötig, um erstmal auf einem akzeptablem Level zu starten, während das Singen schon eher mal "so nebenher" in der Kindheit eingeübt wird (bei entsprechender Neigung).
Mir fallen zwar nicht "massenhaft" Schauspieler ein, die ständig erfolgreich sich selbst gespielt haben, aber Woody Allen ist z.B. tatsächlich ein Paradebeispiel. Wie dem auch sei, bei näherem Nachdenken ziehe ich mal die implizite Behauptung zurück, man müsse gerne ständig jemand anders sein wollen, um ein(e) gute(r) Schauspieler(in) zu sein. Warten wir einfach ab, was Lena in 2011 entscheidet, und dann vergleichen wir mal nach einer eventuellen Schauspielausbildung.
und man kann momentan ja auch keinen echten Vergleich durchführen, da sie zwar singt aber (noch) nicht schauspielert
Eben. Momentan kann man dazu wenig sagen.
(diese zwei Kurzauftritte in Doku-Soaps zähle ich nicht).
Drei Auftritte :)
Absolutwig
25.09.2010, 22:10
Vier, da gibt es noch diesen Film, in dem sie ihre Schildkröten-Persönlichkeit sichtbar macht.
Vier, da gibt es noch diesen Film, in dem sie ihre Schildkröten-Persönlichkeit sichtbar macht.
Ach, das ist auch ne Doku-Soap ;)?
Absolutwig
25.09.2010, 22:30
Wenn sie noch nicht schauspielert weil Doku-Soaps nicht zählen, dann muss es eine sein.
Was würde Lena denken, wenn sie alles hier mitlesen würde? Gute Frage. Nun, Ich weiß nicht so ganz. Ich denke sie wäre, sagen wir, überrascht. Zum einen deshalb, dass es wegen ihr ein Fanforum gibt und zum anderen, dass in diesem Fanclub bzw Fanforum nicht nur 10-14 Jährige sind, sondern auch Leute mittleren Alters. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob sie sich ihrer Ausstrahlung bewusst ist. Weiß sie von ihrem eigenen Zauber mit dem sie andere belegt? Wenn sie hier in das Forum blicken würde, würde sie einen kleinen Eindruck davon bekommen. Ich denke spätestens auf ihrer Tour wird sie ihre "wahren Fans" kennenlernen. Das wird sie ganz schön verwundern. :-D
Verwundert ist ein gutes Stichwort, denn das würde sie auch sein, vielleicht auch ein wenig erstaunt, wie viel eigentlich über die private Lena bekannt ist... Aber gerade der Punkt, dass es Leute gibt, die extra wegen Ihr ein Forum errichten, Tausende von Posts verfassen und sich über ihre Zukunft gedanken machen wird Eindruck auf sie hinterlassen. Ob positiv oder negativ vermag Ich nicht zu beurteilen.
Im Endeffekt ist das wieder mal so eine Frage, die wir nie beantworten werden können. Vielleicht ergibt sich ja mal die Möglichkeit sie darauf anzusprechen. Wäre interessant zu erfahren, ob sie sich ihrer Wirkung auf andere bewusst ist und wie sie es findet, dass es Leute aus allen Alters und Gesellschaftsschichten (überwiegend Mittelstand) gibt, die "lenafiziert" sind. Ich glaube bei Wörtern wie "lenafiziert", "lenaesk" oder "Lenaismus" müsste sie lachen... :D
Economist
26.09.2010, 00:40
Hier einfach mal eine Gegenmeinung, weil mich dieses „Sei immer Du selbst“ und „Lena ist immer ganz nah an ihrem wahren Selbst“ mittlerweile doch ziemlich nervt.
Unter „Selbst" verstehe ich dabei das Bild, das ich von mir selber habe, im Gegensatz zum Bild, das andere von mir haben.
Ich stelle mir aber jemand, der immer dem Bild entsprechen will, das er von sich selbst hat, als sehr langweilig vor.
Typisch für Lena finde ich eher, dass sie die Fähigkeit hat, sich von ihrem Selbst zu lösen. Also jemand zu sein, der sich erst noch ausprobieren will. In viele, völlig unterschiedliche Richtungen.
Dazu gehört Mut, wenn sie bewusst die Erwartungen des Gegenübers düpiert. Aber in erster Linie hat sie einen Riesenspaß daran, widersprüchlich zu sein. Hübsch in der einen Sekunde, grimassenziehend in der nächsten. Mal ernsthaft erwachsen, mal vollkommen kindisch albern.
Einer Lena, die einerseits den Vamp des ESC-Auftritts präsentieren kann, andererseits aber auch mit Hello Kitty-Köfferchen durch die Lande zieht, wird man glaube ich nicht gerecht, wenn man alles, was sie macht, an dieser einen Frage misst: „Bin ich das wirklich?“.
In der Summe mag es ja stimmen, dass der Durchschnitt von allem, was sie macht, ein wahres Bild ihrer Person ergibt. Aber ist nicht viel entscheidender, dass sie widersprüchlich sein will? Lieber Film als Foto, weil das Foto zu statisch ist?
Meine Auffassung ist, dass Lena sich nicht nur oft über das Bild hinwegsetzt, das andere von ihr haben, sondern oft auch über das Bild, das sie von sich selbst hat. Denn wenn man dann aufhört, wenn das Bild von einem selbst am schönsten ist, weiß man ja nicht, ob es nicht noch schöner werden kann.
Aber ich glaube, ich weiß, was ihn (Absolutwig) nervt - etwa das Gleiche, was mich (unter anderem) mit dem im Zusammenhang mit Lena immer wieder genannten Begriff "Authentizität" nervt. Der Ratschlag, "immer ganz wie man selbst zu sein", kann, so gut er auch gemeint ist (aber oft ist er auch nicht gut gemeint), leicht einen stark fordernden, festlegenden, repressiven Charakter bekommen. So als müsse man immer wissen, "wie man wirklich ist", und so als sei man verpflichtet, dieses wirkliche Selbst immer jedermann offenherzig zu zeigen. Als sei man nicht viele Personen. Als dürfe man nicht heute mal der sein und morgen der (oder die). So als sei man irgend verpflichtet, seine eigenen Widersprüche zu begradigen, anstatt sie - mal lustvoll, mal schmerzhaft - auszuleben.
Nun bin ich mir aber sicher, dass Economist weit davon entfernt war, all dies behaupten zu wollen. Deshalb sehe ich Absolutwigs Beitrag auch eher als wertvolle Ergänzung. Und was Lena betrifft: Sie scheint bei allem, was sie tut, eine ungeheure Freude zu haben und im Einklang mit sich zu sein - aber widersprüchlich ist sie durchaus. Und über ihr "wahres Selbst" kann man nur Vermutungen anstellen - sie wahrscheinlich selber auch. Was auch gut so ist: Suchende sind mir sympathischer als die, die zu suchen aufgehört haben - auch und gerade, was das "wahre Selbst" betrifft.
Bates hat Recht; insofern fühle ich mich von Absolutwig mißverstanden. Das "wahre Selbst" ist weder etwas total Statisches - natürlich wandelt sich das im Laufe des Lebens stetig, wenn auch nur in Extremfällen ins glatte Gegenteil - noch ist es zu einem beliebigen Zeitpunkt zwangsläufig etwas Widerspruchsfreies. Das wollte ich mit diesem Begriff also gar nicht behaupten.
Davon unabhängig teile ich aber Absolutwigs Definition von "Selbst" nicht, also daß es das Bild sei, das ich von mir selber habe. Ich würde das nicht positiv sondern normativ formulieren - es handelt sich nicht um die Ansammlung von Eigenschaften, die ich an mir selber feststelle, sondern um die, die ich aufweisen will, weil ich mich in diesem Zustand am wohlsten fühle. Natürlich gibt es da eine mehr oder weniger große Schnittmenge. Während man aber nichts tun muß, um lediglich dem Bild zu entsprechen, das man von sich selbst hat - das ist ja per Definition schon automatisch gegeben und wäre daher in der Tat sehr langweilig - kann es durchaus anstrengend sein, dem Bild zu entsprechen, wie man sein möchte.
Um hier nicht erneut mißverstanden zu werden: Damit meine ich nicht, daß man versucht, so zu sein wie jemand anders. Vielmehr geht es um das Hineinhorchen in sich, also nicht um die von Absolutwig in den Raum gestellte Frage: „Bin ich das wirklich?“, sondern um "Wie bin ich, wenn ich mit mir im reinen bin?" Nochmal, ein solcher Zustand ist weder etwas Unveränderliches noch unbedingt widerspruchsfrei. Lenas häufiger Wechsel zwischen sehr erwachsenen und kindlichen Verhaltensweisen ist ein Teil ihrer Persönlichkeit und nicht Ausweis wechselnder Identitäten. Außerdem, Bates hat da völlig Recht, gibt es im Zeitablauf einen ständigen "Such-Prozeß". Authentizität verlangt aus meiner Sicht also nicht, daß man ständig einem einmal festgelegten Bild von sich selber entsprechen muß. Authentizität verlangt allerdings schon, daß der Anschein, den man nach außen kommuniziert, zu jeder Zeit mit dem zu diesem Zeitpunkt subjektiv empfundenen (gewünschten) Sein übereinstimmt. Einfacher ausgedrückt und andersherum gewendet wäre es eben nicht authentisch, wenn ich mich bewußt anders gebe, als es meinem Selbstverständnis zu diesem Zeitpunkt entspricht (meine Umwelt also absichtlich täusche). In diesem Sinne kann man nicht glaubwürdig mehrere Personen gleichzeitig sein, wohl aber eine einzelne Person mit Widersprüchen (z.B. sparsam aber großzügig gegenüber Freunden, oder - wie bei Lena - für jeden Quatsch zu haben und doch in der Lage, sehr ernsthaft zu werden).
Ich glaube bei Wörtern wie "lenafiziert", "lenaesk" oder "Lenaismus" müsste sie lachen... :D
Und was würde sie dann wohl über die hier sagen:
:orly: :lenalol: :zwinker: :thumbsup2: :fellig:
:-D
Absolutwig
26.09.2010, 04:16
Hallo Economist: Eine interessante, ausführliche, sorgfältig überlegte Antwort.
Weil es aber schwierig ist, in dieser Ausführlichkeit auf alles zu antworten, kürze ich das mal – auch auf die Gefahr hin, dass ich etwas verfälsche.
Während man aber nichts tun muß, um lediglich dem Bild zu entsprechen, das man von sich selbst hat - das ist ja per Definition schon automatisch gegeben und wäre daher in der Tat sehr langweilig - kann es durchaus anstrengend sein, dem Bild zu entsprechen, wie man sein möchte.
Damit hab ich nur ein Problem: das klingt so angestrengt. So gar nicht nach Lena. Ich musste eher an Hergé denken als an Lena.
(Ich hab mir vorhin auf Arte+7 den Film über Hergé und Tim in Tibet angesehen. Da ging es darum, dass der Zeichner Hergé in einer moralischen Lebenskrise war und mit der pfadfinderhaften Tugend seines Helden Tim haderte, der so eine Art idealisiertes Selbstbild für ihn war.)
Einfacher ausgedrückt und andersherum gewendet wäre es eben nicht authentisch, wenn ich mich bewußt anders gebe, als es meinem Selbstverständnis zu diesem Zeitpunkt entspricht (meine Umwelt also absichtlich täusche). In diesem Sinne kann man nicht glaubwürdig mehrere Personen gleichzeitig sein, wohl aber eine einzelne Person mit Widersprüchen (z.B. sparsam aber großzügig gegenüber Freunden, oder - wie bei Lena - für jeden Quatsch zu haben und doch in der Lage, sehr ernsthaft zu werden).
Ich glaube, in einem sind wir uns einig: Lena hadert nie mit ihrer Vergangenheit. Wenn sie zurückblickt, dann ist sie mit sich im Einklang. Sie steht zu allem und schämt sich für nix.
Ich glaube aber nicht, dass das deshalb so ist, weil sie ständig versucht, einem Idealbild zu entsprechen und dann im Rückblick zufrieden feststellt: Jawohl, ich hab mich immer richtig entschieden, habe nie jemand getäuscht. Das wäre eher Hergé, der alte Pfadfinder.
Zu Lena passt eher: denk nicht so viel! Mach einfach! Folge deiner Stimmung, deiner Intuition! Und wenn Blödsinn dabei herauskommt, dann ist das auch nicht so schlimm.
Sie nimmt sich einfach nicht so ernst und steht zu ihrem Blödsinn.
Wenn ich mal „Lena Live-Schalte“ von TV Total als Beispiel heranziehe, worin sie sich über das plötzliche Auftauchen ihres Doppelkinns lustig macht: Klar, das kann man auch damit erklären, dass sie nichts verstecken will, niemand täuschen will, einfach so sein will, wie sie ist. Authentisch eben. Das stimmt ja auch.
Aber etwas ganz Wesentliches fehlt bei dieser Erklärung: der Spass, den sie daran hat, plötzlich ihr Gesicht zu wechseln, eine Grimasse zu ziehen, jemand anderes zu sein. Die Leichtigkeit, mit der sie über sich selber lacht. Die Selbstironie.
Da ist eben doch noch etwas anderes da als „nur“ Authentizität. Und das vermisse ich bei all dem „Sei immer Du selbst“-Gerede.
(Danke für die Bilder, Timitri, die sagen mehr als 1000 Worte).
Powered by vBulletin® Version 4.2.0 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.