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Peter M. aus V.
10.10.2016, 00:38
Wirklich ein schräges Zeug, auch optisch. Deine Auflistung der Inhaltsstoffe könnte vermutlich noch ergänzt werden. Die Wirkung der Mistur ist aber schon hörenswert - auch wenn ich die Dosis für mich wohl eher gering halten muss. :D

OldStephen66
10.10.2016, 13:30
KUU! können das vorgeblich verquirlte Chaos tatsächlich auch gleichermaßen überzeugend auf die Bühne bringen: Stasias Bände beim Jazzahead!-Festival 2014 (https://youtu.be/xCyOdFZzyZE?t=716)
Bemerkenswert, daß Gitarrist Frank Möbus das Notenblatt fast nicht aus den Augen läßt. Es lohnt sich, genauer auf seine Läufe zu achten.

Tall Blonde Helicopter
10.10.2016, 22:15
Wenn schon ein Bandname in Versalien und mit Ausrufezeichen, dann sind mir NEU! doch deutlich näher als KUU! ;–) Ich halte es da ein wenig mit Peter: eine Frage der Dosierung und der Hörsituation. Sehr reizvoll und unterhaltsam beim ersten Hören, aber dann – und ich weiß, es hört sich mehr als verwegen an angesichts der technischen Brillanz der Musiker und der Komplexität der Musik – verbraucht es sich in meinen Ohren sehr schnell. Weniger ist mehr – explosionsartige Breaks in diesem Stil, die einen traditionelleren Songrahmen punktuell zum Wackeln brächten, könnte ich beispielsweise ausdauernder goutieren. Und gerade als Konserve wird solche Musik ihrer Bestimmung eh nicht gerecht. Als wohldosiertes Liveerlebnis hingegen gewiß ein … äh ja, eben Erlebnis.

Womit ich auch meine Überleitung hätte.


Musikalisches Mastermind ist der finnische Jazzgitarrist und Improvisationsmusiker Kalle Kalima (...)

Denn Kalle Kalima finde ich, unabhängig von KUU!, einen spannenden Gitarristen, und wie es der Zufall will, lese ich gerade heute im Gemeindeblättchen, daß er am kommenden Freitag mit einer anderen Formation hier in einer unserer schönen Vorortlocations auftritt: Barockmusik aus der Sicht von heute zu interpretieren, das ist der künstlerische Anspruch der Mezzosopranistin und Solistin der Komischen Oper in Berlin, Theresa Kronthaler, des finnischen Jazz-Gitarristen Kalle Kalima und des Kontrabassisten Oliver Potratz. Das Trio hat Arien von Monteverdi, Purcell oder Händel mit stilistischen Mitteln der Moderne bearbeitet. Barocke Klänge verbinden sich mit Elementen des Blues, Rock, Folk oder Jazz. Es gibt von Kronthaler, so der Name der Band, gar ein offizielles Video (sowie ein EPK) in der Tube, und das sieht so aus, und die Musik hört sich so an (https://www.youtube.com/watch?v=afsDy7Fy3iQ).

Als ich noch weiter nach Kalima surfte, stieß ich schließlich auf das Video unten – und da rastete nun ein Bezug in den anderen ein (und ich ein bißchen aus, positiv ;–) ).


https://www.youtube.com/watch?v=StqiLikxYiQ

Von den drei zu sehenden und zu hörenden Herren muß ich den renommierten Bassisten Greg Cohen nun leider stiefmütterlich behandeln. ABER: Aufgenommen wurde das Video im Grünen Salon in der Berliner Volksbühne, in der ich vor zwei Jahren Rachel Sermanni sah. Und mit Max Andrzejewski, dem Schlagzeuger im Video, sowie drei weiteren Berliner Jazzern – noch einem Deutschen und zwei britischen Expats – nimmt Rachel just in diesen Tagen in Berlin ihr neues, drittes Album auf. Na, sind das Zusammenhänge? ;–)

Dazu später mal ein eigenes Post, hier ging's vor allem um Kalima.

Melanie
11.10.2016, 01:02
Schöner Indiepop aus Australien (genauer gesagt aus den Blue Mountains)

Julia Jacklin


https://www.youtube.com/watch?v=srbZS0Fl490


http://www.plattenladentipps.de/2016/07/28/live-bei-dodo-beach-julia-jacklin/

Seit vergangenen Freitag ist ihr Debütalbum Don't let the kids win draussen

https://www.amazon.com/Dont-Let-Kids-Julia-Jacklin/dp/B01I6PXCVO/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1476137335&sr=1-1&keywords=julia+jacklin

OldStephen66
19.10.2016, 23:01
Nachdem es einige Zeit bei YT nicht gelistet, gleichwohl schon seit mindestens einem halben Jahr aufgenommen war, hat Emily Millard jetzt nach der Veröffentlichung ihres neuen Albums endlich diese sehr schöne, reduzierte Duo-Version des Songs "Hunter" freigeschaltet.


https://www.youtube.com/watch?v=0Yu2uwUrIbs

Auf By Heron & By Season nimmt er eine zentrale Stellung ein:

The song “Hunter” most clearly captures my vision for creating a musical forest. The way that the various instruments rustle around, a flute flourishing briefly, a vibraphone shimmering somewhere to the left, and Jesse Zubot’s mysterious and haunting violin. [Five Questions with ... Emily Millard] (http://www.fyimusicnews.ca/articles/2016/10/12/five-questions-%E2%80%A6-emily-millard)
Diesen musikalischen Wald kann man dann auf dem Album erkunden.

Jetzt muß sie nur noch das mit den Aerialists aufgenommene, großartige Video "Snake Charmer" freischalten, das ich durch Zufall bei einer Google-Suche fand, nachdem es gerade hochgeladen worden war - worauf es auch gleich wieder verschwand (kurzzeitig war die Öffentlichkeitssperre wohl außer Kraft).
Sollte sie mit dieser Band auch in Deutschland auf Tour gehen, wäre das ein Genuß allererster Güte. Vielleicht wird sie auch, wie schon einige Jahre zuvor, wieder mit der Alin Coen Band zusammenarbeiten, was ebenfalls großartig wäre. So oder so: auf die Tour im kommenden Frühjahr darf man sich freuen.

Peter M. aus V.
24.10.2016, 16:51
Denn Kalle Kalima finde ich, unabhängig von KUU!, einen spannenden Gitarristen, und wie es der Zufall will, lese ich gerade heute im Gemeindeblättchen, daß er am kommenden Freitag mit einer anderen Formation hier in einer unserer schönen Vorortlocations auftritt: Barockmusik aus der Sicht von heute zu interpretieren, das ist der künstlerische Anspruch der Mezzosopranistin und Solistin der Komischen Oper in Berlin, Theresa Kronthaler, des finnischen Jazz-Gitarristen Kalle Kalima und des Kontrabassisten Oliver Potratz. Das Trio hat Arien von Monteverdi, Purcell oder Händel mit stilistischen Mitteln der Moderne bearbeitet. Barocke Klänge verbinden sich mit Elementen des Blues, Rock, Folk oder Jazz. Es gibt von Kronthaler, so der Name der Band, gar ein offizielles Video (sowie ein EPK) in der Tube, und das sieht so aus, und die Musik hört sich so an (https://www.youtube.com/watch?v=afsDy7Fy3iQ).

Hast Du Dir das "angetan"? Ich wäre nicht zu halten gewesen. Wunderbar. Es passiert ja eigentlich nicht viel, aber durch die andere Instrumentierung, die (im Barock ja schon durchaus üblichen) Imrprovisationsanteile im modernen Stil und die so gar nicht opernhafte Interpretation der Singstimme entsteht etwas Neues. Nichts epochales, nichts Weltbewegendes, nichts absolut Außergewöhnliches, aber eben einfach schön.


Als ich noch weiter nach Kalima surfte, stieß ich schließlich auf das Video unten – und da rastete nun ein Bezug in den anderen ein (und ich ein bißchen aus, positiv ;–) ).

https://www.youtube.com/watch?v=StqiLikxYiQ

[...] Aufgenommen wurde das Video im Grünen Salon in der Berliner Volksbühne, in der ich vor zwei Jahren Rachel Sermanni sah. Und mit Max Andrzejewski, dem Schlagzeuger im Video, sowie drei weiteren Berliner Jazzern – noch einem Deutschen und zwei britischen Expats – nimmt Rachel just in diesen Tagen in Berlin ihr neues, drittes Album auf. Na, sind das Zusammenhänge? ;–)

Hat Dir denn - neben den zum Ausrasten führenden Assoziationen - auch die Musik gefallen? Ein bisschen wenigstens? Mir war sie nicht nur angenehm, sondern - anders als KUU" - auch für längere Zeitspannen spannend genug, ohne Überspannung zu erzeugen, daher ein Genuss.

Über Deine nebenbei fallen gelassenen Informationen freue ich mic ebenfalls sehr. Und vermutlich würdest Du mir mein positives Ausrasten genau so ansehen wie ich Dir. ;)

OldStephen66
24.10.2016, 18:10
@TBH, genau wie @Peter M. würde mich auch interessieren, ob die unerwarteten Zusammenhänge bei Dir zu einem spontanen Konzertbesuch geführt haben. Immerhin vor der Haustür - das muß ein Zeichen gewesen sein.

Darüber hinaus finde ich es ebenfalls sehr interessant, mal in die zahlreichen anderen Projekte der KUU-Mitglieder (abgesehen von K.K.) reinzuhören.

Gitarrist Frank Möbus ist auf ganz unterschiedlichen musikalischen Wegen unterwegs und klingt z. B. mit AZUL so:

https://www.youtube.com/watch?v=e7NJsI3Q7k0


Selbst Jelena Kuljic fährt gesanglich auch schon mal in gemächlicheren Wassern:

https://www.youtube.com/watch?v=Dcq3AgPkuOw


Einzig Drummer Christian Lillinger ist partout nicht ruhig zu bekommen. Wie sagte mir ein Experte (selber Jazzschlagzeuger) kürzlich: hochbegabt und hyperaktiv. Er mache klassische Jazzer mit seinem Stil schon etwas nervös.

KUU! machen mir übrigens, wenn ich sie mir von Zeit zu Zeit mal wieder anhöre, immer noch Spaß. In Dosen natürlich. Also dosiert.

Tall Blonde Helicopter
24.10.2016, 20:36
Peter und OldStephen:

Leider nein, kein Kronthaler. Es konnte nicht mehr "umdisponiert" werden, sonst wären wir in der Tat hingegangen. Es hätte mich mehr gelockt als die üblichen hiesigen "Jazzmontage" und "Vollmondkonzerte" (ja, das ist etwas überheblich, und die Frage lautet völlig zurecht, warum eigentlich ;–) ).



Hat Dir denn - neben den zum Ausrasten führenden Assoziationen - auch die Musik gefallen? Ein bisschen wenigstens?

Die Version gefällt mir mehr als ein bißchen – wirklich gut. Es ist ja kein originärer Jazz, sondern Jazzverputz, unter dem immer noch solides Songmauerwerk hervorschaut. Das finde ich hier bei Kalima gerade gut: daß er sein Solospiel in erster Linie akkordisch anlegt. Der Groove ist lässig, was immer gut ist; "Dudelpassagen" wie die im Mittelteil kenne und schätze ich aus der guten alten Rockmusik eh; und grundsätzlich ist es mir – unabhängig vom Genre – eine Freude, Musikern beim Livespielen zuzusehen. Alles bestens also an der TBH-ist-jetzt-nicht-so-der-Jazzfan-Front. :–)


Über Deine nebenbei fallen gelassenen Informationen freue ich mic ebenfalls sehr.

In den nächsten Tagen an dieser Stelle mehr dazu. Die Aufnahmen sind mittlerweile abgeschlossen, aber leider (andererseits nicht anders zu erwarten nach einem Album und einer EP innerhalb eines Jahreszeitaums) gilt auch: ... you will have to wait – perhaps for quite a while – before you get to hear any of what happened with your own ears.

Eulenspiegel
26.10.2016, 02:01
Das müsste doch wirklich etwas für die Leute dieses Threads sein, der australische Songwriter

Josh Pyke. Dass der noch nicht mehr hier bekannt ist?

Er hat sogar Kate Bush gecovert. ;)

Wuthering Heights

https://www.youtube.com/watch?v=diFRft7qwy0

Bin gerade über 3 Ecken auf ihn gestoßen. Der Komponist Joe Twist (Gewinner des ASCAP Workshop 2013, siehe Emily Bear Thread https://www.youtube.com/watch?v=1F93u5uOQCQ ) war einer der Mit-Gewinner des australischen "Echos" Aria mit einer Orchestrierung
des Josh Pyke Songs, "The summer". Das Album gewann

https://www.twitter.com/ARIA_Official/status/783479130272641025 (Video der Preisverleihung)

https://www.amazon.de/Josh-Pyke-Sydney-Symphony-Orchestra-Musik-Downloads/s?ie=UTF8&page=1&rh=n%3A77195031%2Ck%3AJosh%20Pyke%20%26% 20Sydney%20Symphony%20Orchestra

Hier der orchestrierte Song.

https://open.spotify.com/track/7Ml3N5csLDSpjyaBg9rzxG

Hier das Original, das ist besser als alles was ich von deutschen Songwritern in den letzten Jahren gehört habe.

https://www.youtube.com/watch?v=bmHLmOyxwRU

https://www.youtube.com/watch?v=bmHLmOyxwRU

hier Passenger feat. Josh Pyke "In the raw"

https://www.youtube.com/watch?v=m0etgVnuPbo

hier der Song "Make you happy" 2008

https://www.youtube.com/watch?v=rwRqD4Kmiy4

The Lighthouse Song

https://www.youtube.com/watch?v=GquroFVb_48

hier akkustisch "Love lies"

https://www.youtube.com/watch?v=ZKnhUI9z7yo

Tall Blonde Helicopter
28.10.2016, 15:28
Über Deine nebenbei fallen gelassenen Informationen freue ich mic ebenfalls sehr. Und vermutlich würdest Du mir mein positives Ausrasten genau so ansehen wie ich Dir. ;)

Dann will ich mal meiner selbstauferlegten Pflicht nachkommen. Aber was heißt Pflicht – Minnedienst! ;–)

Rachel hat zu ihren neuen Albumaufnahmen in Berlin bislang drei Blogeinträge verfaßt (und, ihre treue blecherne Weggefährtin Phoebe the Lemon im Sinn und Bildhintergrund, zitronige Fotos gemacht), die Ende September am Vorabend ihres Aufbruchs vom elterlichen Haus in den Highlands beginnen. Ich kenne ihre Prosa nun fast genauso lange wie ihre Musik und Songtexte und bin der Meinung, daß sie auch hierin ihre Talente und eigene Handschrift hat; die Lektüre lohnt sich auch neben dem reinen Info-Update: http://rachel-sermanni.tumblr.com/. Ein Facebookler schrieb zuletzt sehr treffend: You write beyond your years. Ihr erster Eintrag zum neuen Album vom 26. September endet mit einem herzerwärmenden Bekenntnis zu ihrem Musikerinnensein:

I am excited.
I am not nervous.

Sometimes I wonder what sort of life this is. If I will ever settle, if I actually want to settle. All this constant movement. All this wanting to live in different places. All this driving around. All these people. All this love and love lost. All this drive to make noise, more noise and more. Sometimes there is little Clarity.

But when I’m actually immersed in a gig, or a creative project, I forget I ever wondered.

So off we go.

Die Jazzmusiker, mit denen sie im Berliner Jazzanova-Studio (http://www.jazzanovarecordingstudio.com/) das neue Album eingespielt hat, bildeten bereits ihre Band, als sie während eines längeren Berlin-Aufenthalts im Frühjahr auftrat. Und auch jetzt, in der Aufnahmephase, gab sie mit ihnen wieder im selben Jazzclub in Neukölln ein Konzert. In dem langen Interview-Podcast, auf das ich weiter oben mal verwiesen hatte, erzählt sie, daß die vier mit ihren Songs spielerisch umgegangen seien, daß sie manchmal selbst nicht gewußt habe, was gleich kommen werde, und sich deshalb sehr frei gefühlt habe. Aus dieser Erfahrung entstand der Wunsch, mehr mit ihnen zu machen. In ihrem Blog stellt sie die vier auch vor, zwei sind alte Freunde von der Insel, die jetzt in Berlin leben: der schottische Pianist Declan Forde (https://www.youtube.com/watch?v=xzvTc-QHjj8) und Bassist James Banner (https://www.youtube.com/watch?v=xBxF1lOrX_c). Dazu kommen Paul Santner an der Gitarre (https://www.youtube.com/watch?v=uZwjLo3Pgpg) (offenbar Österreicher, hier muß ich mich korrigieren) und der bereits erwähnte Schlagzeuger Max Andrzejewski (https://www.youtube.com/watch?v=v-estnJbSxM), der – das schreibt nicht nur Rachel, sondern dokumentiert auch die Tube – überaus umtriebig ist und seine künstlerischen Grenzen wohl am weitesten auslotet (https://www.youtube.com/watch?v=gNoBX7HATgQ).

Sieht man sich gerade den Hintergrund von Andrzejewski an (wirkt, so formuliert, als würde er in Frankreich auch noch Autorenfilme drehen ...) sowie im Vertrauen auf Rachel selbst, habe ich keinerlei Sorge, daß bei diesem Zusammentreffen von Singer/Songwritertum und Jazz beliebige Barhintergrundberieselung à la Diana Krall herausgekommen sein könnte. Zwanzig, dreißig, hundert (?) Konzertbesucher aus Berlin wissen allerdings schon mehr. Liest hier vielleicht einer von Euch mit? ;–)