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blaufink
03.08.2015, 14:41
Liest man da zwischen den Zeilen, dass dich das Konzert weniger überzeugt/beeindruckt hat als die Platte ? :whistle:

Das ist eine sehr gute Frage und auf der Rückfahrt ist mit genau diese in den Sinn gekommen. Allerdings bin ich zu keinem klaren Ergebnis gekommen. Beides sind unterschiedliche Sachen. Für den reinen Musikgenuss scheint mit die Platte die bessere Wahl. Allerdings hat Björk einige Stücke von Vulnicura im Konzert länger ausgespielt. Das Konzert hingegen hatte Performance-Charakter: Es war beeindruckend, die hochkonzentrierten Musikerinnen und Musiker zu beobachten (auch der Kampf einer Musikerin mit Insekten, die sie in der warmen Sommernacht als Opfer auserkoren hatten) und Björks lebendigen Auftritt zu verfolgen. Sie sprang und tanzte und füllte dabei die gesamte Bühne aus. Außerdem liefen im Hintergrund der Bühne Videosequenzen, die den akustischen Part unterstützen und daraus eine Art Gesamtkunstwerk machten. Zum Beispiel das 360°-Video von Björks Stonemilker:
https://www.youtube.com/watch?v=gQEyezu7G20 (leider GEMA-gesperrt)
Für die Musik aber ist all das und auch das Feuerwerk nicht notwendig und ich empfand es sogar als ablenkend.

Im Ernst: Hätte ich schon vor Monaten von den grässlichen Techno-Acts gewusst, hätte ich wahrscheinlich auf das Ticket verzichtet. Andererseits würde ich noch einmal das Geld investieren, wenn Björk garantiert ohne Support mit Vulnicura in einer Konzerthalle auftritt, am besten in einer, die für klassische Musik optimiert ist.

gauloises
03.08.2015, 18:42
Interessante Besprechung von Julia Friese:
http://www.morgenpost.de/kultur/article205531315/Tausende-tanzen-zu-Bjoerks-Trennungsschmerz.html

blaufink
03.08.2015, 19:33
Interessante Besprechung von Julia Friese:
http://www.morgenpost.de/kultur/article205531315/Tausende-tanzen-zu-Bjoerks-Trennungsschmerz.html

Ich vermute, dass Frau Friese weiter hinten stand. Für die Stimmung im vorderen Bereich lässt sich ihre Kernaussage geradezu ins Gegenteil kippen. Sie schreibt „Björk fleht - und das Publikum will Party“. Meine Erfahrung war genau anders herum: Der Veranstalter hat durch die langen Techno-Acts Party geliefert, während das Publikum lieber die subtilen und leiseren Töne von Björk hören wollte. Tanzen und Party machen konnte man im vorderen Bereich sowieso nicht, weil alle sehr eng standen. Mein Platz war etwa 10 Meter hinter der ersten Reihe, und noch dort stand man dicht an dicht und musste sich in dieser Weise drei Stunden die Beine in den Bauch stehen, bevor Björk begann. Bei den lauteren Songs versuchte Björk sogar mehrfach durch ihre Gestik, das Publikum zum Mitmachen zu animieren, aber dort vorne ging es einfach nicht. Dass ich nicht allein bin mit der Kritik zeigen die Kommentare bei Eventim:
http://www.eventim.de/Tickets.html?affiliate=TUG&doc=artistPages/overview&fun=artist&action=overview&kuid=68&xtmc=Björk&xtnp=1&xtcr=8
Und auch einige auf Björks Facebookseite:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10153472571771460.1073741856.6747 251459&type=3

Für Techno-Fans, die Party haben wollten, war die Veranstaltung sicherlich ein Highlight, für Björk-Fans aber nur bedingt. Ich wünschte mir während der ersten beiden Acts zunehmend, jemand zöge einfach den Stecker und die Zeit bis zu Björks Auftritt würde durch eine Dauerschleife von John Cages 4′33″ überbrückt werden. :)

punkrock
03.08.2015, 19:46
Na ja, aber das ist bei Support-Acts ja öfter mal so, dass die einen nicht unbedingt immer zusagen. Die Freude auf den Hauptact sollte man sich deswegen doch niemals nehmen lassen! :)

blaufink
03.08.2015, 20:07
Na ja, aber das ist bei Support-Acts ja öfter mal so, dass die einen nicht unbedingt immer zusagen. Die Freude auf den Hauptact sollte man sich deswegen doch niemals nehmen lassen! :)

Das ist richtig, aber normalerweise dauern Support-Acts auch nicht anderthalb bis zwei Stunden. Allerdings bin ich verwöhnt, da ich in den vergangenen Jahren über die Vorgruppen einige sehr interessante Bands kennenlernen durfte, z. B. Eliot Sumner bei Lykke Li, Madeline Juno bei Elli Goulding sowie Clarence + Napoleon (die kennt jetzt wahrscheinlich niemand) bei MS MR.

punkrock
02.11.2015, 01:28
Hab mir heute auf der Plattenbörse mal noch Homogenic & Vespertine für insgesamt 6 EUR geholt. Bei solchen Preisen kann man die ja mal probiern. :)

blaufink
07.11.2015, 11:45
Arte hat vor drei Wochen eine Dokumentation über Björk gesendet (und schon zweimal wiederholt):
http://www.arte.tv/guide/de/057445-000/bjoerk
Die Dokumentation zeigt Björks musikalischen Weg, angefangen als 14-jährige Punktsängerin, dann mit den Sugarcubes und schließlich ihre Solo-Karriere, die mit dem „Debut“-Album begann. Am Ende der Dokumentation wird ihr aktuelles Album „Vulnicura“ vorgestellt.

Und hier gibt es das gesamte Biophilia-Konzert von 2011:
http://concert.arte.tv/de/bjoerk-biophilia
Das Video ist eine Collage von Björks Performance und den Videoclips, die zu den einzelnen Songs entstanden sind und in den Konzerten meist im Hintergrund projiziert werden.

Silent Watcher
21.11.2015, 11:25
Björk feiert heute ihren 50. Geburtstag.

HAPPY BIRTHDAY! :feuerwerk:

blaufink
21.11.2015, 13:48
Björk feiert heute ihren 50. Geburtstag.

Unglaublich – die kleine große Björk. Als ich sie 1993 bei ihrer „Debut“-Tour zum erste Mal live sah, war sie 28, sah aber eher aus wie 18. Auf Wikipedia lese ich gerade, dass ihre Debut-Tour aus nur 17 Konzerten in Nordamerika und Europa bestand.

Damals konnte man die Tickets noch nicht im Internet buchen, sie waren offset-gedruckt und trugen die Marke eines mechanischen Paginierstempels. Aber „Fan-Tickets“ gab es bereits, nur hießen sie nicht so. :)

https://dl.dropboxusercontent.com/u/15677255/ticket_bjoerk_1993-12-06_grosse_freiheit.jpg

blaufink
25.11.2015, 09:03
Erst gestern Abend entdeckt: Ein Link zu einer RAR-Datei mit einen Audiomitschnitt des gesamten Vulnicura-Konzertes aus der Zitadelle Spandau, der Setlist, Fotos und Dateien mit weiteren Dropbox-Links:
https://www.mediafire.com/?ddhzjrb1kod2msg
(nicht auf die Fake-Links klicken, sondern auf die große grasgrüne Taste)
Die akustische Qualität der Aufnahme lässt natürlich zu wünschen übrig, da sie aus dem Publikum gemacht wurde, ist aber besser als manches andere dieser Art. Zur Dokumentation und Rekapitulation ganz ok. Die Fotos stammen zum großen Teil aus Björks Facebook- und Instagram-Account.
Den Link habe ich auf diesem Blog gefunden:
http://gudmundsdottirbjork.blogspot.de/2015/08/bjork-live-spandauer-zitadelle-berlin_3.html
Da hat ein offenbar großer Björk-Fan unglaublich viel Material zusammengetragen, das ich im gesamten Umfang noch gar nicht erfasst habe.

Nebenbei bemerkt: Björk-Einsteigern empfehle ich das aktuelle Album Vulnicura. Ich halte es für ihr bestes und gleichzeitig als dasjenige mit der niedrigsten Zugangs-Schwelle. Aber das ist natürlich eine ganz subjektive Einschätzung. Seit ein paar Tagen gibt es übrigens eine zweite Version des Albums – „Vulnicura Strings“ – ohne das elektronische Gedöns: nur mit Björk, Streichern und Viola Organista (das ist ein Klavier, dessen Saiten durch sich drehende Walzen und Riemen in Schwingung gebracht werden).

Wie war das mit dem Hölzchen und dem Stöckchen? :) Bei jpc lese ich gerade, dass die Viola Organista von Leonardo da Vinci entworfen wurde und dass es weltweit nur ein einziges Instrument gibt. Lakonisch heißt es dort, dass der Erfinder den Bau nicht mehr erlebt hat. Konkretisieren könnte man, dass der Erfinder den Bau der Viola Organista um knapp 500 Jahre verpasst hat. :)