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Tiny Tim
06.06.2018, 15:43
Solange Musiker mit Leidenschaft bei der Sache sind, spielen deren ökonomische Rahmenbedingungen für den Zuhörer wohl nur eine untergeordnete Rolle. Insbesondere bei eher "akademischen" Musikrichtungen wie Klassik und Modern Jazz. In der populären Musikwelt scheint der öffentlich kommunizierte wirtschaftliche Erfolg ihrer Protagonisten - wie man auch hier im Forum oft beobachten kann - ein durchaus relevantes Qualitäts-Kriterium bei der Beurteilung von deren Kunst zu sein.

Ich glaube nicht, dass der kommunizierte wirtschaftliche Erfolg als Qualitätskriterium taugt oder auch nur als solches wahrgenommen wird. Eher geht es um eine Einschätzung, ob eine Popkünstlerin eine sichere Zukunft hat. Das liegt zu einem erheblichen Teil am medialen Druck, an der Häme, die gescheiterte Ex-Popstars trifft. Dass das im Popbereich stärker diskutiert wird als im Klassik- und Jazzbereich, liegt sicherlich aber auch an der größeren emotionalen Bindung bzw. Identifikation. Klassische Musiker stellen sich in der Regel ganz in den Dienst des Werkes und werden entsprechend sehr selten vom Publikum als Individuen wahrgenommen. Und Jazzmusiker haben das Problem, dass sie von vornherein in einer kleinen Nische spielen, in der sie auf wirtschaftlichen Erfolg eigentlich gar nicht hoffen dürfen. Das tritt ja in der genannten Doku besonders deutlich zutage: "Ach ich dachte, Ihnen macht das Freude." - "Ja, das macht mir Freude, aber währenddessen esse und wohne ich auch." Derart absurde und entwürdigende Rechtfertigungen müssen Popmusiker wohl kaum ertragen.

Tiny Tim
06.06.2018, 16:24
Nachtrag: Dass Fans sich um das finanzielle Wohlergehen ihres Lieblingsstars sorgen, mag läppisch erscheinen. Es hat aber eine gewisse Berechtigung insofern, als diese Fans ja eben gerade darauf Wert legen, dass dieser ihr Lieblingsstar ihnen auch zukünftig erhalten bleibt. Wem es "nur um die Musik geht" (was häufig eine unreflektierte Selbstauskunft darstellt, die einer genaueren Befragung nicht stand hält), der neigt eher zu einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber der Frage, ob ein Künstler auch zukünftig noch "da ist". Gerade im klassischen Bereich dürfte das die Regel sein; die Orchester sind viel wichtiger als die einzelnen Musiker und haben eine Beständigkeit, die oft Generationen überdauert - was ist dagegen der einzelne Musiker?!

Doktor Landshut
06.06.2018, 16:31
Ich glaube nicht, dass der kommunizierte wirtschaftliche Erfolg als Qualitätskriterium taugt oder auch nur als solches wahrgenommen wird. Eher geht es um eine Einschätzung, ob eine Popkünstlerin eine sichere Zukunft hat. Das liegt zu einem erheblichen Teil am medialen Druck, an der Häme, die gescheiterte Ex-Popstars trifft. Dass das im Popbereich stärker diskutiert wird als im Klassik- und Jazzbereich, liegt sicherlich aber auch an der größeren emotionalen Bindung bzw. Identifikation. Klassische Musiker stellen sich in der Regel ganz in den Dienst des Werkes und werden entsprechend sehr selten vom Publikum als Individuen wahrgenommen. Und Jazzmusiker haben das Problem, dass sie von vornherein in einer kleinen Nische spielen, in der sie auf wirtschaftlichen Erfolg eigentlich gar nicht hoffen dürfen. Das tritt ja in der genannten Doku besonders deutlich zutage: "Ach ich dachte, Ihnen macht das Freude." - "Ja, das macht mir Freude, aber währenddessen esse und wohne ich auch." Derart absurde und entwürdigende Rechtfertigungen müssen Popmusiker wohl kaum ertragen.

Ich finde schon, dass das eine Rolle spielt, jedenfalls im "populären" Musikgeschäft (wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass sich das der Klassik im übrigen marketingstrategisch mittlerwele ersterem annähert. Die Elphi könnte man heute durchaus auch als Pop-Tempel bezeichnen). Ebenso Aussehen und persönliche Ausstrahlung. Im angloamerikanisch-kapitalistisch geprägten Bewusstsein sind Qualitätswahrnehmung, Erfolg und Reichtum eng miteinander verknüpft. Würde beispielsweise Helene Fischer weniger Platten verkaufen und würden ihre Konzerte schlechter besucht, würde sich das meiner Meinung nach aus Sicht eines Teils der ihr zugeneigten Öffentlichkeit - nicht nur, aber in einem gewissen Maß - durchaus auf die Wahrnehmung resp. Einschätzung der künstlerischen Qualität ihres Outputs auswirken.


Nachtrag: Dass Fans sich um das finanzielle Wohlergehen ihres Lieblingsstars sorgen, mag läppisch erscheinen. Es hat aber eine gewisse Berechtigung insofern, als diese Fans ja eben gerade darauf Wert legen, dass dieser ihr Lieblingsstar ihnen auch zukünftig erhalten bleibt.

Das stimmt natürlich, ist aber nicht der Aspekt, den ich meinte.

PS. Als sich das Ende meiner Schulzeit näherte, stand ich selbst vor der Entscheidung, meine Aktivitäten in der klassischen Musik mit einem enspr. Studium fortzusetzen und einen Beruf in diesem Bereich anzustreben oder was anderes zu machen. Schließlich habe ich mich anders entschieden, da mir eine Zukunft als Schulmusiklehrer nicht so behagte, für eine gut bezahlte Stelle in einem der besseren Orchester hielt ich mich nicht für qualifiziert genug und als Solist sowieso nicht. Insofern blicke ich - manchmal neidvoll - vor allem aber mit großem Respekt auf diejenigen, die aus Leidenschaft und mit der nötigen Disziplin es schaffen, sich auf diesem Gebiet in einer Weise zu etablieren, die ihnen ein auskömmliches und erfülltes Leben mit der Kunst erlauben, das ja nur wenigen vergönnt ist, aber eben auch auf diejenigen - weniger neidvoll als mit großer Bewunderung - die auch unter schwierigen existentiellen Bedingungen ihrer Kunst treu bleiben.

Melanie
06.06.2018, 16:35
Zwei Programmtipps für heute:

20:15 Dallas Buyers Club auf Arte
20:15 Jurassic World im ZDF

bates
06.06.2018, 17:00
Nachtrag: Dass Fans sich um das finanzielle Wohlergehen ihres Lieblingsstars sorgen, mag läppisch erscheinen. Es hat aber eine gewisse Berechtigung insofern, als diese Fans ja eben gerade darauf Wert legen, dass dieser ihr Lieblingsstar ihnen auch zukünftig erhalten bleibt.

Ja, ist in gewisser Weise berechtigt, schlägt m.E. aber in dem Moment ins Widersinnige um, wenn man als Fan für diesen Wunsch bereit ist, sogar den Grund für sein Fansein zu opfern. Tatsächlich gab es hier im Forum ja auch schon Äußerungen in die Richtung, es sei nicht so wichtig, ob einem persönlich die Musik von Lena eigentlich gefalle, wenn sie einem doch bitte nur erhalten bliebe. Und auch wenn es natürlich nicht nur "um die Musik", sondern auch um die Wertschätzung der Persönlichkeit geht, ist hier für mich die Schwelle überschritten, ab der man ein Fantum mit einer persönlichen Beziehung verwechselt.

Das heißt natürlich nicht, dass ich Lena nicht auch Erfolg und gutes Auskommen wünschte, wenn ich mit dem, was sie macht, nichts anfangen könnte. (Ich gönne selbiges ja auch Helene Fischer.) Nur wäre ich dann eben nicht mehr Fan, deswegen erübrigte sich dann auch die Frage, ob sie mir "erhalten bleibt".

Melanie
07.06.2018, 10:40
20:15 Die Unbestechlichen auf Kabel Eins
22:50 GoodFellas auf Kabel Eins

Melanie
10.06.2018, 13:16
20:15 Bestseller-Verfilmung Er ist wieder da auf Pro7

Melanie
06.07.2018, 20:05
Alfred Hitchcocks Schocker "Psycho" um 0:15 Uhr auf 3Sat.

Zampano
06.07.2018, 23:28
Spoiler:

https://c1.staticflickr.com/1/576/32446385305_a70ec2663a_b.jpg

Melanie
09.07.2018, 19:36
20:15 Ein Mann namens Ove im Ersten
20:15 Edward mit den Scherenhänden auf arte