Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : The Rolling Stones
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blaufink
05.09.2017, 23:57
Heute war ich auf dem Rückweg von der Arbeit kurz im Stadtpark. Die Videowände waren bereits in Betrieb und auf der Bühne fand schon ein Soundcheck statt. Die Lautsprecher erhielten zwar noch nicht die volle Leistung, aber zu hören war der Soundcheck auch außerhalb des Parks. Ich nehme an, dass es nicht die Stones selbst waren, sondern andere Musiker. Aus der Ferne konnte ich das nicht erkennen. Aber die Stones sind heute per Flugzeug in Hamburg angekommen.
Hoffentlich wird alles rechtzeitig fertig. Das Feld sieht noch ziemlich unfertig aus. Mit dem Aufbau der 12 Tribünen ist bei einigen noch nicht einmal begonnen worden.
Man darf nicht immer nur die Kosten sehen. Denn das Geld ist ja nicht weg, es wird nur umverteilt. Und in diesem Fall in nicht geringem Maß von oben nach unten, das heißt von wohlsituierten Konzertbesuchern in Richtung der Arbeiter, Wachleute etc.
blaufink
09.09.2017, 10:25
Sehr interessantes Projekt... :daumen:
Der Aufwand ist natürlich völlig übertrieben... andererseits können danach ziemlich viele Leute voller Stolz sagen, daß sie mal Roadie bei den Stones waren...
Das stimmt auch wieder.
Das Foto-Projekt (https://www.irista.com/gallery/1zpuck2ebxal) wurde in der letzten Woche schwierig, weil die Wiese mit den umliegenden Bereichen großräumig abgesperrt wurde. Bilder waren im Wesentlichen nur noch von hinten über den Stadtparksee möglich. In der letzten Woche wurde bereits geprobt, zumindest abends – Akustik, Videowand und Lichteffekte. Gestern Abend war es still. Offenbar ist alles zur Zufriedenheit gelöst.
Der Einlass beginnt heute um 14:00 Uhr. Ab 19:00 Uhr spielt die Vorgruppe Kaleo, eine isländische Rockband. Um 20:30 Uhr sollen die Stones starten und spätestens um 23:00 Uhr ist alles vorbei. Das heißt, ich werde heute viele Stunden im Nieselregen stehen
blaufink
09.09.2017, 11:00
Man darf nicht immer nur die Kosten sehen. Denn das Geld ist ja nicht weg, es wird nur umverteilt. Und in diesem Fall in nicht geringem Maß von oben nach unten, das heißt von wohlsituierten Konzertbesuchern in Richtung der Arbeiter, Wachleute etc.
Da stimme ich mit dir überein. Und angesichts des Aufwandes sind die Ticketpreise auch gar nicht zu hoch.
Mein dumpfes Bauchgefühl bezieht sich mehr die räumlichen Dimensionen, die Menge der Menschen und auf den immensen Aufwand, der für die Sicherheit der Besucher und des Parks betrieben werden muss. Ein halbes Stadtviertel ist im Ausnahmezustand. Nur gut, dass ich zu Fuß zum Konzert gehen kann und mich heute nicht in überfüllte Bahnen und Busse quetschen muss. Parkplätze gibt es überhaupt nicht und einige Straßen am Park sind aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Ich hatte mir ursprünglich ziemlich naiv vorgestellt, dass mittig auf dem östlichen Teil der großen Wiese am Stadtparksee die Bühne mit einer Tribüne aufgebaut wird und man rundherum weiterhin gehen kann. Aber dass die Bühne, der große Backstagebereich, Tribünen, Innenfläche, Catering-Einrichtungen und Einlasszone den gesamten Wiesenbereich im Osten und Westen bis an die Ränder in Beschlag nimmt und alle Wege drumherum, beinahe der halbe Park, großräumig mit Bauzaun gesperrt wird – damit hatte ich nicht gerechnet. Ich bin öfter in dem Park: Dort wird gefaulenzt, gegrillt, Ball gespielt und Musik gemacht. Die Atmosphäre ist in den Sommermonaten sehr entspannt. Und dann kommen Leute, sperren die Wege und stellen Zäune auf. Und das in einem Maße, den zumindest ich nicht erwartet hatte. Es fühlt sich an, als ob einem ein Stück Eigentum weggenommen wird, wenn die gewohnten Wege plötzlich gesperrt sind. Aber das ist natürlich Quatsch – ich weiß – denn in einer Woche ist der Spuk beendet und spätestens im Frühjahr, wenn es grünt, sind auch die letzten Spuren beseitigt.
Hier zeigt das Hamburger Abendblatt ein paar Dronenbilder von der Anlage:
https://www.abendblatt.de/hamburg/article211773723/Rolling-Stones-im-Stadtpark-Aufbau-und-Aufregung.html
punkrock
10.09.2017, 14:07
Bin ja im Prinzip immer sehr gerne in nem vorderen Bereich, aber fast 800 € fand ich dann doch übertrieben (und das ist bei 30 € weniger nicht anders...) . Wahrscheinlich bin ich für einen Stones-Fan nicht wohlsituiert genug. :)
Aber Innenraum normal wird ja auch ganz schön werden....
Konzertkritik vom Spiegel
http://www.spiegel.de/kultur/musik/rolling-stones-in-hamburg-goetter-mit-zaubertrank-a-1166970.html
blaufink
10.09.2017, 15:31
Bin ja im Prinzip immer sehr gerne in nem vorderen Bereich, aber fast 800 € fand ich dann doch übertrieben (und das ist bei 30 € weniger nicht anders...) . Wahrscheinlich bin ich für einen Stones-Fan nicht wohlsituiert genug. :)
Aber Innenraum normal wird ja auch ganz schön werden....
Nee, nicht 800 habe ich bezahlt, sondern 120 Euro. In Hamburg gab es eine weitere Zone zwischen dem normalen Innenbereich und den sauteuren Plätzen ganz vorne. :) Hier mein Bericht:
Gestern Abend fand das große Stones-Konzert in Hamburg statt. Ich hatte erst vor drei Wochen ein Ticket über Ebay erworben. Die Preise waren bei Ebay in den Keller gegangen. Meines hatte ich für 120 statt 150 Euro erhalten. In der letzten Woche vor dem Konzert wurden auch Tickets zu weniger als den halben Originalpreis verkauft. Vor dem Aufbruch zum Stadtpark (10 Minuten Fußweg) standen zwei große Fragen im Raum: Wird es regnen und darf eine kleine Kamera mitgenommen werden? Die erste Frage war schnell beantwortet, denn es dauerregnete als ich gegen 15:45 Uhr aufbrach. Also dichte Regenjacke anziehen. Der Einlass begann bereits um 14:00 Uhr, aber da ich keinen Sitzplatz hatte, wollte ich nicht so früh gehen. Mein Plan mit der Kamera war, es einfach zu versuchen. Falls es Probleme geben sollte, würde ich sie einfach wieder nach Hause bringen. Der Einlass ging überraschend schnell: Es gab keine Schlangen und ich war sofort bei der Sicherheitskontrolle. Meine Kamera steckte in der Hosentasche. Der Metalldetektor fiepte natürlich und die Kamera wurde ertastet, aber nicht beanstandet. So war ich ganz schnell auf dem großen Gelände. Nur wenige Besucher hatten eine Kamera dabei, aber natürlich hat jeder zweite mit seinem Smartphone fotografiert und gefilmt.
Ich begab mich gleich in meine Stehplatzzone, um einen Platz zu sichern. Mit dem „Silver PIT“-Stehplatzticket kam man zwischen die teuren Sitzpläze vor der Bühne und dem normalen Stehplatzbereich. Um 17:00 Uhr hörte der Regen auf, der seit drei Tagen Hamburg berieselte und gegen 17:30 Uhr kam überraschend die Sonne hervor. Zeitweise wurde es ziemlich eng in der vorderen Stehplatzzone und es hieß „alle bitte mal ausatmen, hier will jemand durch“. Beim Warten konnte man reges Treiben auf der überdachten Bühne und der regennassen Vorbühne beobachten. In der rechten Videowand wurde eine defekte Kachel ausgetauscht, das stehende Regenwasser musste von der Vorbühne gewischt werden und jemand kam mit einem Akkuschrauber, um irgendetwas an der Vorbühne zu fixieren. Schließlich mussten noch diverse Klebestreifen irgendwo abgezogen werden. Auf was man nicht alles achtet, wenn die Zeit lang wird. Um 19:15 Uhr startete die isländische Rockgruppe Kaleo. Ich kannte sie nicht, aber sie hatten wohl mal einen internationalen Hit mit „Way Down We Go“. Solide Rockmusik, absolut hörenswert. Um 19:55 Uhr war das Vorprogramm beendet und hektisch begann der Umbau. Noch einmal wurde die Vorbühne getrocknet, diesmal vom herbstlichen Abendtau.
Pünktlich um 20:35 Uhr betraten die Stones die Bühne. Diese schien zu explodieren, denn begleitet von Feuer und Rauch auf den Dächern der Türme erschien auf den vier riesigen Videowänden ein bizarres, Videospektakel in knackig roten Farben. Die Stones starteten mit „Sympathy For the Devil“. Es folgte „It’s Only Rock’n’Roll“. Begleitet wurden Stones, die zentral in der Mitte der Bühne spielten, von fünf Begleitmusikern, einer Backgroundsängerin (Sasha Allen) und einem Backgroundsänger auf den großen freien Flächen seitlich der Stones. Nach dem zweiten Song begrüßte Mick Jagger die Besucher mit „Moin Hamburch“ und hatte die Eingeborenen auf seiner Seite (die anderen sicherlich auch). Mick hatte noch einige weitere Sätze auf deutsch gelernt und bat die Besucher sich besser zu benehmen als die Pink-Floyd-Fans. Die hatten nämlich vor fast dreißig Jahren, als das letzte Mal ein Konzert dieser Größe im Stadtpark stattfand, die Absperrung gestürmt, so dass einige ohne Tickets auf das Gelände kamen. Außerdem fragte Mick nach Pinnebergern im Publikum. (Das ist ein Insiderwitz, den nur Hamburger verstehen.)
Es folgten zwei bluesige Songs von ihrem aktuellen Album. Die Akustik war übrigens glasklar, gar nichts dran auszusetzen. (Vor zehn Jahren konnte man das beim Rolling-Stones-Konzert im Volksparkstadion leider nicht sagen, weil der Hall von den Tribünendächern alles verwuschelte.) Dann folgten viele Klassiker aus den 60er- und 70er-Jahren. Einmal pausierte Mick Jagger für zwei Songs und kam mit neuer Garderobe zurück. Währenddessen übernahm Keith Richards den Gesang. Einen Song durfte die Backing-Sängerin Sasha Allen singen, die (wie ich gerade feststelle) auch als Solokünstlerin aktiv ist. Nach gut zwei Stunden endete das eigentliche Konzert mit „I Can’t Get No Satisfaction“. Natürlich ist die Zugabe inzwischen fest eingeplant und so erschienen die Stones nach wenigen Minuten noch einmal und präsentierten zum Abschluss „Gimme Shelter“ und „Jumpin’ Jack Flash“. Um 22:55 Uhr verließen sie die Bühne zum letzten Mal. Kurz darauf startete ein kleines Feuerwerk hinter der Bühne. Das schien ein wenig verspätet zu kommen, als wenn der Pyrotechniker nicht rechtzeitig auf den Knopf gedrückt hätte.
Ich habe einige Fotos gemacht, die ich aber erst in den kommenden Tagen bearbeiten kann, denn mir fehlt im Moment die Zeit. Die ersten vier habe ich dem Album vom Aufbau der Bühne (https://www.irista.com/gallery/1zpuck2ebxal) angehängt.
punkrock
10.09.2017, 15:40
Ach so, okay, bei 120 hätt ich mit mir reden lassen! :)
Doktor Landshut
10.09.2017, 16:46
...
Danke für den interessanten Bericht und die sehenswerte Fotostrecke.
Als gebürtiges Nordlicht habe ich Mick Jaggers von dir zitierte Frage nach den Pinnebergern natürlich auch verstanden. Bereits als Kind fiel mir auf, dass in nördlichen Gegenden geschätzt jedes 2. KFZ-Kennzeichen, dessen man ansichtig wurde, mit den Buchstaben PI begann.;)
@blaufink. Danke für den tollen Bericht. Mir wird es wohl nicht vergönnt sein, die Band noch mal live zu erleben.
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