PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Helene Fischer



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 [162] 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178

bates
29.05.2018, 09:26
Bei Fankulturen unterscheidet man ja gerne zwischen „Erfolgsfans“, die kommen und gehen, und einem harten Kern, der dem Künstler durch alle Höhen und Tiefen die Treue hält. Ob der Künstler heute in Fußballstadien spielt oder morgen in kleinen Clubs, spielt für die Wertschätzung dieser Fans keine Rolle.

Die Helene-Fischer-Fankultur scheint mir dazu ein paradoxes Gegenstück zu sein: Die „Erfolgsfans“ sind hier der Kern der Fankultur. Mir fehlt jedenfalls die Fantasie, mir vorzustellen, dass Fischer dereinst, von der breiten Masse vergessen, durch kleine Clubs tingelt und eine glühende kleine Anhängerschaft um sich schart, die unerschüttert auf die ästhetische Qualität ihrer Kunst schwört. Denn gerade die glühendste Fischer-Anhängerschaft ist es heute ja, die den Beweis von Helenes Qualität immerzu in Helenes Erfolg sieht. Sie sind stolz darauf und werden nicht müde es zu betonen, es ist sogar fast das einzige Kriterium, das sie gelten lassen – alles, was sich spezifischer mit der Künstlerin auseinandersetzt, kommt bei ihnen in die Abfalltonne mit der Aufschrift "Alles nur subjektiv!" Lustigerweise berauben sie sich damit sogar selbst aller Mittel, Helene im Notfall, also bei etwaigen wegbrechenden Verkaufszahlen, zu verteidigen. Der typische Helene-Fan ist argumentativ gefangen in einer "Es ist gut, denn es ist erfolgreich ---> es ist erfolgreich, denn es ist gut"-Schleife. Würde Helenes Erfolg einbrechen, würde sich damit auch diese Schleife einfach in Luft auflösen, und das Fantum wäre erloschen – vergessen, als wäre es nie dagewesen.

Tiny Tim
29.05.2018, 10:26
@bates: Wobei Frau Fischers Erfolg ja durchaus einen Grund hat, der außerhalb seiner selbst liegt. Es ist diese sehr spezifische Mischung aus deutschem Schlager, Musical und circensischem Brimborium mit Cirque du Soleil u. dgl. So etwas kann gerade in Deutschland viele Jahre lang halten; bestes Beispiel ist das Musical Starlight Express, das seine eigene Arena in Bochum bekommen hat, wo es seit dreißig Jahren vor vollem Haus läuft. Das muss man als Nicht-Liebhaber nicht nachvollziehen können, es ist halt so.

Was den harten Kern der Fischer-Fans betrifft, stimme ich Dir aber zu. Der Verkaufserfolg dient als Universal-Rechtfertigung für alles und duldet kein anderes Argument neben sich. Daran erweist sich, dass es nicht um Freude an Musik geht, sondern um Triumphalismus und darum, auf der Gewinnerseite zu stehen. Im Fußball kennt man das von den Erfolgsfans des FC Bayern München, aber die können immerhin darauf verweisen, dass die Bayern tatsächlich den besten Fußball in der Bundesliga spielen. Bei den Helene-Fischer-Fans ist das Erfolgsfantum noch eine Stufe reiner und ausschließlicher.

Georg
29.05.2018, 11:46
Ästhetik, Polarisierung und Karriereherbst

Nun, es gibt ja bekanntlich schon Leute, die sie verstört. Der Klang ihrer Musik dient für viele als ein Medium, das bis hin zu sehr bösen Hasstiraden im Netz verwendet wird. Es gibt schon reichlich Anti-Kommentare zu ihrer Musik: Mit ihrer eben schon noch vorhandenen Schlager-Tradition polarisiert sie das Publikum halt – man verehrt sie oder lehnt sie ab. Die Attitüde der alten deutschen Schlagertradition, die sie eben auch einbringt, die Art und Weise, wie sie ihren Gesang präsentiert, das muss man mögen. Und viele verweigern sich da vehement.
Helene Fischer ist damit ein weiteres Symbol dafür geworden, dass ein Künstler bei uns einerseits sehr gemocht werden und erfolgreich sein kann, aber gleichzeitig auch als Beispiel für etwas dient, was ein anderer großer Teil des Publikums komplett ablehnt. Beide Seiten benutzen sie damit als Beleg und Exempel für ihre persönlichen Ästhetik-Urteile. Wie Helene Fischer selber damit umgehen wird und ob das im Endeffekt für ihre Karriere tragbar ist, werden wir erst irgendwann aus der Musikgeschichte erfahren.

http://www.dw.com/de/helene-fischer-man-verehrt-sie-oder-lehnt-sie-ab/a-18554648

Furlong
29.05.2018, 12:12
Erfolgsfans gibt es in der Musik nicht, die kann es da gar nicht geben. Natürlich kann vorhandener Erfolg dazu führen, dass man noch erfolgreicher wird, das sind dann aber völlig andere Mechanismen, die da greifen als im Sport (in dem es bei Erfolgsfans tatsächlich um Triumphalismus und darum geht, auf der Gewinnerseite zu stehen).

Zur "Es ist gut, denn es ist erfolgreich ---> es ist erfolgreich, denn es ist gut-Schleife": Natürlich ist nicht zwingend alles "gut" (wobei man das schon noch viel detaillierter spezifizieren müsste), was erfolgreich ist, aber was erfolgreich ist, ist eben "gut genug", um sich zu verkaufen. Hier könnte man dann schon bzgl. "Qualität" eine Analogie zum Fußball herstellen: Ist Real Madrid die beste europäische Clubmannschaft, weil sie die CL gewonnen haben? Sie waren offensichtlich gut genug, sie zu gewinnen, in der Liga und im Pokal waren sie es nicht.

Keiner weiß, wie "gut" (oder eben auch schlecht) das nächste Album wird (gilt für jeden Musikact). Wenn es eben nicht mehr gut genug ist, wird es auch nicht mehr (so) erfolgreich sein.

Außerdem noch ganz wichtig (was aber eh jeder weiß und selbstverständlich ist): Musikgeschmack (was ist für einen persönlich gut genug es zu kaufen) ist immer subjektiv. Warum man etwas, was man selber nicht gut findet mit aller Gewalt schlecht reden will (und das auch noch als objektiv verkaufen möchte)? K.A.

Dass Helenes aktuelles Album objektiv keine (ästhetische) Qualität hat (wie hoch die jetzt ganz exakt ist sei an dieser Stelle mal dahingestellt, denn da fließen immer im Gesamtergebnis auch subjektive Kriterien mit ein), konnte bis jetzt noch niemand faktisch begründen. "Argumente" wie einfache Melodien, simple Songstrukturen, hört sich alles gleich an, schlechte Arrangements, immer nur stampfender monotoner Beat, langweilige Instrumentierung, schlecht gesungen, zu kleine Range sind objektiv nicht haltbar und außerdem sind die z. T. auch immer subjektiv.

Ich war in den ersten 5-6 Jahren ihrer Karriere kein Fan, wenn überhaupt eher das Gegenteil. Erst, als sie und ihre Musik besser geworden sind, bin ich zum Fan geworden, so 2011/12, also noch deutlich vor den großen Farbenspiel-/ADDN-Erfolgen.

Melanie
11.06.2018, 23:08
Eine Gegendarstellung von Helene Fischer

https://twitter.com/niggi/status/1006250274053386240

Melanie
10.07.2018, 14:11
Helene Fischer ist auf Platz 1 der Halbjahresauswertung in den Albumcharts

https://pbs.twimg.com/media/Dhu68mDWkAAC0Nn.jpg:large

david davidson
05.09.2018, 05:28
Selbst die sonst so unpolitische H.F. wagt ausnahmsweise ein zaghaftes Statement: https://twitter.com/clehrchen/status/1037086296425021442

Und sogar den Hashtag benutzt sie: https://www.instagram.com/p/BnTaTAyh3ES/

j_easy
05.09.2018, 09:42
Selbst die sonst so unpolitische H.F. wagt ausnahmsweise ein zaghaftes Statement: https://twitter.com/clehrchen/status/1037086296425021442

Und sogar den Hashtag benutzt sie: https://www.instagram.com/p/BnTaTAyh3ES/

Find ich gut. Alle positiven Kräfte müssen sensibilisiert und vielleicht auch mobilisiert werden.

bates
05.09.2018, 09:42
Selbst die sonst so unpolitische H.F. wagt ausnahmsweise ein zaghaftes Statement: https://twitter.com/clehrchen/status/1037086296425021442

Und sogar den Hashtag benutzt sie: https://www.instagram.com/p/BnTaTAyh3ES/

Dafür kann man ihr schon Respekt zollen. Im Unterschied etwa zu einem Campino, bei dem ja alles, was er sagt, "preaching to the converted" ist, dürfte es unter der sehr viel heterogeneren Anhängerschaft Helene Fischers nicht wenige Leute geben, denen das sauer aufstößt – und das wird sie wissen. Sie ist hier in einer Zwickmühle zwischen der medialen Öffentlichkeit einerseits, die sie schon seit Langem zu einem solchen Statement drängt, und einem ungewiss großen Teil ihrer Fan-Community, bei dem sie es sich damit verscherzen könnte.

Bina
05.09.2018, 10:28
klares, kurzes Statement, mehr brauchst nicht :daumen: