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esiststeffen
10.09.2018, 21:25
Ja, es hat sicher jeder die Ereignisse der letzten Tage mitbekommen, deshalb erübrigt sich eine nähere Einführung, warum ich das jetzt hier poste. Aber ein paar Sachen gingen mir dabei eben doch durch den Kopf, die ich gerne mit euch teilen möchte:


Auch wenn man vermutlich schon jahrelang keinen Gedanken mehr an ihn verschwendet hatte – aber als gestern der Name Küblböck auf einmal wieder in den Medien auftauchte, hatte vermutlich jeder, der heute so ungefähr zwischen Anfang 20 und Ende 30 ist, sofort wieder irgendeine halb verschüttete Erinnerung vor Augen; eine Erinnerung an schrille Outfits, eine mindestens außergewöhnlich zu nennende (;)) Stimme, und sicher auch ganz allgemein einen jungen Menschen mit sehr kindlich-unkonventionellem Auftreten ;)
Wie schon desöfteren erwähnt, hatte ich in meiner Jugend mit allem, was im weitesten Sinne Popkultur war, nur seeehr wenig am Hut. Als dann im Frühjahr des Jahres 2003 allüberall die erste DSDS-Staffel in den Medien präsent waren, kam ich (damals 15 Jahre jung) aber auch nicht ganz daran vorbei und hab somit auch mal reingeschaltet; und so wurde die Ausgabe, wo Daniel K. ausschied, die allererste Castingshow meines Lebens. Und ja, natürlich habe wie so viele auch ich damals sein Ausscheiden abgefeiert. Und ich gebe auch ganz ehrlich zu, als ihm dann im Jahr darauf der Gurkenlaster in die Quere kam, war ich wohl auch ein wenig enttäuscht, dass er so einfach davongekommen ist …. :X


Im Lauf der letzten Jahre habe ich – auch hier im Forum – schon wiederholt Parallelen zwischen den drei Pop-Phänomenen gezogen, die in Deutschland seit der Jahrtausendwende die meiner Auffassung nach größten Hypes ausgelöst haben: Lena, Tokio Hotel und Daniel Küblböck. Natürlich hat Küblböck dabei wohl selbst auf der Spitze seines Erfolges nie die CD- und Konzertkarten-Verkaufszahlen erreicht, wie es die beiden anderen Genannten nach ihm geschafft haben; und ich hatte schon damals, also 2003/04, eher den Eindruck, dass er für den größten Teil der Medien eher ein skurriles Kuriosum darstellte denn einen ernsthaften Player auf dem Musikmarkt – aber Fakt ist, auch bei Küblböck gab es eine Zeit, in dem niemand, ich betone niemand, in diesem Land an ihm vorbeikam. Jeder, vom Kind bis zur Oma, bekam damals irgendwas von ihm mit, und wohl jeder hatte zu ihm irgendeine Meinung. Allein das ist wohl etwas, das nur ganz wenige Menschen in diesem Beruf schaffen. Und dabei steht für mich auch definitiv fest: So furchtbar und so lächerlich sein damaliges Schaffen nach weit überwiegender Auffassung der Öffentlichkeit auch gewesen sein mag – aber er hat durch seine damalige Präsenz irgendwas ausgelöst und bewegt; er hat Emotionen hervorgerufen, positive wie negative; von der gottgleichen Verehrung bis zur dämonengleichen Verdammung. Gleichgültig war er wohl damals nur wenigen. Für einen kurzen Moment, so schnell er danach auch verweht sein mag, hat er es damals bewirkt, das ganz Deutschland über ihn sprach. Und zumindest das ist und bleibt wohl auch das Größte und Entscheidende, was dieser Mensch in seinem kurzen Leben erreicht hat.


Meine bis dato letzte Begegnung mit dem Namen Küblböck war vor ungefähr zwei (?) Jahren, als Oliver Kalkofe im Rahmen seiner „Schlefaz“-Reihe den Film „Daniel, der Zauberer“ erstmals überhaupt ins deutsche Fernsehen holte. Und ja, ich habe den Film damals gesehen, vom Anfang bis zum Ende; und bin dabei zu einer Erkenntnis gelangt, die mich selber durchaus ein wenig erstaunt hat. Damit wir uns nicht missverstehen: Ja, dieser Film ist einfach nur unfassbar schlecht. Das Drehbuch, die darstellerischen Leistungen, die Bildqualität und Kameraführung, die Effekte – alles, aber auch wirklich alles an diesem Film wirkte auf mich zu 100 Prozent wie das Produkt der Video-AG einer siebten Klasse. Ich fand es damals absolut unvorstellbar (und finde das eigentlich auch noch heute), dass diesen Film erwachsene Menschen, die das zudem noch beruflich machen, hergestellt und in die Kinos gebracht haben sollen. Aber dennoch – eine einzige positive Erkenntnis hat dieser Streifen in mir ausgelöst: Ich hatte im Vorfeld erwartet, einen eilig und lieblos gemachten Versuch zu sehen, aus dem kurzlebigen Ruhm eines Castingsternchens noch schnell ein wenig Kapital zu schlagen. Aber zu meiner eigenen Verblüffung kam ich zu dem Schluss, dass dieser Film tatsächlich ganz ernsthaft an seine eigene Botschaft glaubt: Dass Daniel eine quasi überirdische Gabe hat, seine Umgebung durch die ihm innewohnende positive Energie zum Guten zu verwandeln. Diese kindlich-naive Botschaft schien der Film tatsächlich in vollem Ernst und ohne jede Ironie zu vertreten. Und da muss ich dann schon sagen: Vielleicht ist Hass das falsche Wort für das Gefühl, das man diesem Film entgegenbringen muss. Ich würde es eher wie so eine Art Mitleid beschreiben: So wie man es bei der erwähnten Video-AG einer siebten Klasse vermutlich nicht fertigbringen würde ihr zu sagen, dass ihr Film unsagbarer Schrott ist, so bringe zumindest ich das auch bei diesem Film irgendwie nicht übers Herz. Man kann es jedenfalls drehen und wenden, wie man will, aber ernsthaft an Emotionen wie diese zu glauben, so lächerlich man das als außenstehender erwachsener Mensch auch finden mag, nötigt mir dann doch trotz allem irgendwo auch einen gewissen Respekt ab. Versteht man, was ich sagen will?! ;)


Und joa, 15 Jahre nach DSDS und 14 Jahre nach dem Kinofilm sehen wir nun, dass von dieser positiven Energie zumindest bei ihm selber offenbar nicht (mehr?) viel übrig ist. Und ich bin jetzt tatsächlich etwas hin- und hergerissen, inwieweit mich das betroffen machen muss; oder ob es nicht vielmehr geheuchelt wäre, wenn ich jetzt sehr geschockt wäre, wo ich ihn doch zeitlebens nicht im Geringsten ausstehen konnte. Auf jeden Fall aber wünsche ich den Menschen, die ihm nahestanden, viel Kraft, um mit der Situation umzugehen – und ich denke und hoffe, dass zumindest das ein Wunsch ist, dem sich alle hier mitlesenden Menschen anschließen können.


Nun denn, was geht euch beim Namen "Daniel Küblböck" heutzutage so durch den Kopf? Gerade auch im Hinblick auf die gestrigen Schlagzeilen?

Doktor Landshut
10.09.2018, 21:37
Nun denn, was geht euch beim Namen "Daniel Küblböck" heutzutage so durch den Kopf?

Mir geht - unabhängig von den aktuellen Schlagzeilen - der Ende des letzten Jahres verstorbene Ulli Lommel (bekannt vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Fassbinder) durch den Kopf, den ich früher mal kannte, und dass ich später erstaunt war, als ich erfuhr, dass er die Regie bei dem von Peter Schamoni produzierten Film "Daniel und der Zauberer" über und mit Daniel Küblböck übernommen hatte.

support4lena
10.09.2018, 21:38
Hmm... sorry, aber ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, jetzt so ein Gedankenkarussell zu starten. Noch ist sein Selbstmord nicht bestätigt, sondern nur die plausibelste Theorie. Und wenn es so war - es gibt tausend Gründe, warum Menschen sich umbringen. Es muss überhaupt nichts mit seinem Werdegang seit DSDS und der Unterhaltungsindustrie zu tun haben. Er kann auch Liebeskummer gehabt haben. Oder er war vielleicht einfach krank und niemand ist schuld. Ich weiß, Schuldzuweisungen hast du gar keine gemacht, aber ich finde es trotzdem zu früh, jetzt irgendetwas verstehen zu wollen.

vampire67
10.09.2018, 22:19
Hmm... sorry, aber ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, jetzt so ein Gedankenkarussell zu starten. Noch ist sein Selbstmord nicht bestätigt, sondern nur die plausibelste Theorie. Und wenn es so war - es gibt tausend Gründe, warum Menschen sich umbringen. Es muss überhaupt nichts mit seinem Werdegang seit DSDS und der Unterhaltungsindustrie zu tun haben. Er kann auch Liebeskummer gehabt haben. Oder er war vielleicht einfach krank und niemand ist schuld. Ich weiß, Schuldzuweisungen hast du gar keine gemacht, aber ich finde es trotzdem zu früh, jetzt irgendetwas verstehen zu wollen.
Ich lese da keine schuldzuweisungen heraus. Eher einfach ein paar unsortierte gedanken. Und ja, ich denke er hat recht was das phänomen Kübelböck angeht. Ich denke nicht das der name leuten in unserem altersbereich nichts sagt, vielleicht mal von medienfernen rentnern abgesehen.

Ich hatte auch gestern noch etwas gegoogelt, aber überraschenderweise gab es da vorher keine irgendwie gearteten medialen indikationen (pleite oder andere negativmeldungen). Das letzte was ich fand war der drogentod seines bruders der im nazisumpf feststeckte, bzw die letzten interviews die eigentlich nicht wirklich ein hadern mit der DSDS vergangenheit anzeigen.

Was die gewissheit oder nicht betrifft, ich bezweifle das es je endgültig geklärt wird. Ich halte es auch mittlerweile eher für unwahrscheinlich das sein schicksal je geklärt wird, weil ich halte ein auffinden für recht unwahrscheinlich. Anscheinend ist da ja ein aktives über bord springen beobachtet worden. Da kann man schon ziemlich sicher von absicht sprechen, auch wenn die gründe nicht bekannt sind.

LilyHydrangea
10.09.2018, 22:26
Ich möchte gar nicht über sein Verschwinden spekulieren, aber nur sagen, dass wir ihn damals in der Grundschule alle gefeiert haben und sich mir diese kurze Phase anscheinend so sehr ins Hirn eingebrannt hat, dass ich heute die ganze Zeit daran denken musste. "You Drive Me Crazy", "Heartbeat" und "Superman" sind irgendwie einfach so Kindheitssongs.

support4lena
10.09.2018, 23:03
Ich lese da keine schuldzuweisungen heraus.

Drum schrieb ich ja auch: "Ich weiß, Schuldzuweisungen hast du gar keine gemacht"

esiststeffen
10.09.2018, 23:47
Hmm... sorry, aber ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, jetzt so ein Gedankenkarussell zu starten. Noch ist sein Selbstmord nicht bestätigt, sondern nur die plausibelste Theorie. Und wenn es so war - es gibt tausend Gründe, warum Menschen sich umbringen. Es muss überhaupt nichts mit seinem Werdegang seit DSDS und der Unterhaltungsindustrie zu tun haben. Er kann auch Liebeskummer gehabt haben. Oder er war vielleicht einfach krank und niemand ist schuld. Ich weiß, Schuldzuweisungen hast du gar keine gemacht, aber ich finde es trotzdem zu früh, jetzt irgendetwas verstehen zu wollen.


Ich lese da keine schuldzuweisungen heraus. Eher einfach ein paar unsortierte gedanken. Und ja, ich denke er hat recht was das phänomen Kübelböck angeht. Ich denke nicht das der name leuten in unserem altersbereich nichts sagt, vielleicht mal von medienfernen rentnern abgesehen.

Ich hatte auch gestern noch etwas gegoogelt, aber überraschenderweise gab es da vorher keine irgendwie gearteten medialen indikationen (pleite oder andere negativmeldungen). Das letzte was ich fand war der drogentod seines bruders der im nazisumpf feststeckte, bzw die letzten interviews die eigentlich nicht wirklich ein hadern mit der DSDS vergangenheit anzeigen.

Was die gewissheit oder nicht betrifft, ich bezweifle das es je endgültig geklärt wird. Ich halte es auch mittlerweile eher für unwahrscheinlich das sein schicksal je geklärt wird, weil ich halte ein auffinden für recht unwahrscheinlich. Anscheinend ist da ja ein aktives über bord springen beobachtet worden. Da kann man schon ziemlich sicher von absicht sprechen, auch wenn die gründe nicht bekannt sind.

Mir ging es auch nicht darum, über seinen mutmaßlichen Tod (ich halte es übrigens auch für unwahrscheinlich, dass man ihn je finden wird) und vor allem die Gründe dafür irgendwelche Spekulationen anzustellen. Dazu stand auch heute Nacht schon ein Link in der SB, der in eine ganz andere Richtung wies; aber auch das wollte ich nicht unbedingt ins Forum tragen. Eher wollte ich versuchen, das Phänomen Küblböck, so wie es sich zu seinen Lebzeiten aus meiner ganz persönlichen Rückschau auf die letzten 15 Jahre heraus dargestellt hat, ein wenig in Worte zu fassen. Denn dass es ein Phänomen war, sieht man ja nicht zuletzt schon daran, dass er mich, obwohl ich niemals auch nur ansatzweise ein Fan von ihm war, aus irgendwelchen Gründen doch dazu gebracht hat, ihm einen derart umfangreichen Forumbeitrag zu widmen .... :gruebel: ;)

Zampano
11.09.2018, 00:00
"You Drive Me Crazy", "Heartbeat" und "Superman" sind irgendwie einfach so Kindheitssongs.

Seit ich jetzt eine "5" vorne stehen hab und somit offiziell nicht mehr zu den Mittelalten zähle, fühlt man sich manchmal schon ein bißchen alt, aber wenn ich sowas lese, bin ich schon ganz froh, ein Kind der 70er zu sein... :alterfinne:

Rolwin
11.09.2018, 00:37
Seit ich jetzt eine "5" vorne stehen hab und somit offiziell nicht mehr zu den Mittelalten zähle, fühlt man sich manchmal schon ein bißchen alt, aber wenn ich sowas lese, bin ich schon ganz froh, ein Kind der 70er zu sein... :alterfinne:
Ich habe eine "7" vorne stehen, also ein Kind der 40er. Daniel war der Grund weshalb ich DSDS von meinem Bildschirm verbannt habe. Ich habe damals nur gedacht, gibt es niemand der den Jungen aus dieser Sendung herauszieht.....Er tat mir einfach leid......

LilyHydrangea
11.09.2018, 00:46
Seit ich jetzt eine "5" vorne stehen hab und somit offiziell nicht mehr zu den Mittelalten zähle, fühlt man sich manchmal schon ein bißchen alt, aber wenn ich sowas lese, bin ich schon ganz froh, ein Kind der 70er zu sein... :alterfinne:

:ugly:

Ist aber wirklich ernst gemeint. Wir hatten in der Grundschule immer diese "Freundebücher" (meistens von Diddl), wo sich alle drin verewigen und vorgefertigte Steckbriefe ausfüllen konnten. In mein altes Freundebuch hat fast jeder bei "Lieblingssänger" Daniel (oder Alexander Klaws) angegeben oder bei "Lieblingssong" irgendwas von Daniel (und irgendwer hat den Song "Heartbeat" als "Hokmi Tokmi" verstanden und das da auch so reingeschrieben, das ist heute noch ein Running Gag :ugly:)

Achja und was mir auch noch einfällt: Wir haben früher immer leere Kassetten aufgenommen und da immer unsere eigene Radioshow draufgequatscht. Wir haben dann immer so getan, als würden uns irgendwelche Promis besuchen und live im Studio meines Zimmers für uns singen, obwohl wir natürlich immer nur den CD-Player neben den Kassettenrekorder gestellt und irgendwelche Songs abgespielt haben. Irgendwann war dann halt auch mal Daniel Küblböck der Stargast von mir und meiner besten Freundin. Also CD in den Player, Kassettenrekorder auf Aufnahme. "UND JETZT SINGT HIER DANIEL KÜBLBÖCK LIVE SEINEN NEUEN SONG-" und dann hatte die CD nen Sprung und hing die ganze Zeit an derselben Stelle. Als professionelle Radiomoderatorin habe ich den Auftritt dann abgebrochen und dem Publikum erklärt, dass der arme Daniel leider eine Stimmkrankheit hatte und jetzt nicht auftreten könnte :D Nachdem mein Vater den Staub von der CD gewischt hatte, war er dann wieder wundersamer Weise gesund :D

Also ja. Daniel Küblböck als Grundschulidol - passt schon :D