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Thema: 3653

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    Standard 3653

    Hallo zusammen. Mein Name ist Simon, ich bin frische 28 Jahre jung und da wir uns die letzten Tage schon in vielerlei Hinsicht mit dem zehnjährigen Jubiläum von Lena beschäftigt haben, möchte ich mit Euch gemeinsam heute auf eine etwas andere Art und Weise die vergangene Zeit nochmal aufleben lassen. Um beim Lesen eine stimmungsvolle musikalische Begleitung zu haben, gibt es hier eine Playlist für Euch. Hier ist der Text als PDF downloadbar. Viel Spaß!



    Aller Anfang ist... Lila


    Drei. Sechs. Fünf. Drei. Zahlen, die uns überall über den Weg laufen. Zahlen, mit denen wir täglich hantieren, arbeiten, uns in der Schule den Kopf drüber zerbrechen. Zahlen, die am Ende aber doch keine tiefere Bedeutung haben. Zusammengenommen ergeben sie 3653. Und heute geben wir dieser Zahl eine Bedeutung.

    Es ist Freitag, ich schreibe Freshprince eine private Nachricht. Er ist Administrator eines Bilderforums, kümmert sich dort unter anderem um die Serververwaltung. Man kennt sich aus diversen Online-Aktivitäten. Ich frage ihn, ob er nicht noch über etwas freie Kapazität auf seinem Server verfüge. Ich plane da ein Projekt, welches auch erstmal nicht viele Ressourcen in Anspruch nehmen würde. Der störungsfreie Betrieb seines Forums sei jederzeit sichergestellt. Drei Monate später erfolgte der Umzug auf einen eigenen Server. Die massenhaften Zugriffe zum Finale des ESC haben beide Foren lahmgelegt. Ich bekomme die Zusage. Die Zugangsdaten folgen promt. Zu diesem Zeitpunkt bin ich 18 Jahre alt. In wenigen Monaten beginnt meine Ausbildung zum Altenpfleger. Meine finanziellen Möglichkeiten sind begrenzt; 150€ Aufwandsentschädigung für mein Vollzeitpraktikum im Pflegeheim, mehr ist nicht drin. Viel abseits des Computers unternehme ich aber nicht. Die unendlichen Weiten des Internets bedienen meine derzeitigen Bedürfnisse, ohne mich nach der Arbeit noch irgendwo gezwungen hinschleppen zu müssen. Meine Ausgaben belaufen sich also auf wenige Dinge, zu Hause ist für alles gesorgt. Mama ist eben die Beste. Zwei Jahre später zog ich aus. Jeder ging nun seinen eigenen Weg. Das Elternhaus löste sich auf.

    Angetrieben durch die vielen Kontaktmöglichkeiten im Internet mit Menschen über meine Dorfgrenzen hinaus bin ich Teil des offiziellen Stefanie Heinzmann Fanclub geworden. Ich erlebe eine gute Zeit, knüpfe viele Bekanntschaften, meine ersten Konzerte, die ersten persönlichen Kontakte zu virtuellen Freunden. Der Administrator des Forums, ein Freund und Arbeitskollege der Heinzmann Geschwister ermöglicht mir die Entwicklung und Mitarbeit an seinem Projekt. Ich lerne wie ein Online-Team geführt und ein Projekt am Leben gehalten wird, was es bedeutet verantwortungsvoll mit Software umzugehen. Eine falsche Einstellung hat sofortige Auswirkungen. Stets geleitet und motiviert durch die Faszination des Fandasein. Der Höhepunkt ist die Reise mit Forumsteilnehmern in die Schweiz, das Eröffnungskonzert ihrer Tour. Ich erhalte Zugang zum VIP Bereich, lerne nahe Familienangehörige kennen, tausche mich mit ihren Freunden aus. Später folgt noch die Teilnahme an einer exklusiven Albumpräsentation vor Veröffentlichung. Meine erste Reise nach Berlin. Ich erlebe die Vorteile eines Fanprojekts.

    Ein kurzer Blick in die Online-Demo von vBulletin - ein Software Anbieter für Forenbetreiber. Ein weiterer Blick auf meinen Kontostand. Alles klar, denke ich mir. Das Ding wird gestartet, das wird was. Simone? SIMONE? Komm wir eröffnen gemeinsam ein Lena Meyer-Landrut Forum! Simone war ebenfalls Bestandteil des Heinzmänn'chen Moderatorenteam. Wir haben uns super verstanden, vertrauten einander, kannten die Stärken des Anderen. Download... Installation... Einstellungen... Domain... Welche Farbe wohl am besten zu Lena passt? Was vermittelt ein wohliges Gefühl und läd zum Bleiben ein? Simone weiß bescheid, Simon sorgt für die Umsetzung. Das Team funktioniert. Simone war leider nur kurz aktives Gründungsmitglied, die Begeisterung für Stefanie Heinzmann nahm einen deutlich größeren Teil ein als die für Lena. Die Lila-Seiten erstrahlen nun in voller Pracht und sind startklar, noch bevor die nächste Folge USfO läuft.



    Das Abenteuer kann beginnen


    Drei. Sechs. Fünf. Null. Zahlen, die uns bewusst machen können, wie das Leben verläuft. 3650. Nehmen wir für jede Zahl einen Tag und gehen rückwärts - wir landen im Jahre 2010. Es ist Winter, Februar um genau zu sein. Köln, hier wird der nationale Vorentscheid Unser Star für Oslo produziert, befindet sich im Ausnahmezustand, eher aber im Ausnahmerausch. Es ist Rosenmontag, der Höhepunkt der Karnevalssession ist im vollen Gange. Morgen tritt Lena wieder auf. Es wird die dritte Folge USfO gewesen sein. Lena ist in aller Munde, sogar bei mir im ruhigen Altenheim wird sie plötzlich Thema. Meine Ausbilderin fragt mich, wie ich denn den letzten Auftritt von dieser Lena fand, ich gucke die Sendung vom Raab doch bestimmt auch. Aus dieser Frage entwickeln sich regelmäßige Unterhaltungen über Lenas Gesang, ihr Alter, Gesten, Bewegungen, Sprache, ja sogar ihr Körper wurde zum Gespräch. Ich bemerke, wie ich unbewusst für Lena Partei ergreife, reicht ihre Stimme wirklich für einen guten Gesang, kann Lena wirklich WIRKLICH singen? Ja, hör doch richtig hin! Zwischen dem Sprechgesang singt sie doch immer, das hört sich doch super an, achte mal drauf. Show Nummer 7 folgt, Mr. Curiosity. Nach diesem Auftritt war mir klar: Lena wird gewinnen, sie verzaubert nicht nur mich, sie verzaubert alle.

    Die Faszination Lena bestimmt nun einen Großteil meines Lebens. Jede freie Minute nutze ich um das Forum zu gestalten, ich möchte uns zu DER Anlaufstelle Nummer eins machen, neben uns soll am besten keine andere Fanseite existieren, die geballte Fan-Power soll sich bei uns registrieren. Um dieses Ziel zu erreichen verbringe ich Tage und Nächste im Internet. Um die Nummer eins zu sein muss man Inhalt bieten, denke ich mir. Die Gier nach exklusiven Informationen rund um Lena ist groß. Durch meine vorherigen Internetaktivitäten kannte ich mich gut mit Presseseiten und Bildagenturen aus. Das Erste was ich nach der Arbeit mache ist den Computer anschalten und alle infrage kommenden Bildagenturen abzuklappern, ob nicht ein neues Fotoshooting online gestellt wurde oder es vielleicht sogar seltene Paparazzi Fotos gibt. Jeden Tag mit dem Elan als Erster das neueste Material zu veröffentlichen, das treibt mich an. Neben Internetforen kommt langsam der Hype zu Social-Media-Portalen auf, auch diese Chance nutze ich um uns weiter bekannt zu machen. Bei all den Google-Suchen nach den neuesten Informationen fiel mir immer wieder ein Internetblog auf. Er war schlicht aber gut aufgebaut, sehr übersichtlich und ein direkter Konkurrent zu meinem Internetangebot. Es ist ein Newsblog eines Lena Fans. Durch meine Scheuklappen nehme ich jedes weitere Fanangebot im Internet nicht als Unterstützung für Lena wahr, sondern als direkte Konkurrenz zum Forum, zu mir, zum Nummer eins Fan. Um dem Erfolg des Blogs entgegenzuwirken muss ich aktiv werden. Ein eigener Blog muss her, eine eigene News-Seite - alles auf einem Blick. Das tägliche Lena-Update durch uns präsentiert. Der Ansporn ist groß - Daily-Lena.de entsteht. Ein Forum ist zwar gut zum Meinungsaustausch, einen einfachen Überblick über Neuigkeiten bietet es jedoch kaum. Durch mehrere Beiträge am Tag auf dem Newsblog funktioniert die Strategie. Wir haben großen Zulauf, das Forum wird bekannt und lebt. Ein junger Traum von mir geht in Erfüllung.

    Mit dem Erfolg von Lena und dem Zulauf des Forums erhalte ich auch Einblicke in eine andere Welt. Medien und Zeitungen interessieren sich für mein Projekt, manche sogar für meine Person. Es entstehen Zeitungsartikel wie "Lena macht mich glücklich" oder "Ich bin der größte Lena-Fan". Aus heutiger Sicht unangenehm, damals war es nützliche Werbung. Durch den Hype werde ich mutig. Das Forum als solches ist ein einmaliges Projekt über Lena, die nächst logische Konsequenz ist für mich die Ernennung zum offiziellen Lena Meyer-Landrut Fanclub. Der Kontakt zum Management von Lena stellt sich als schwierig heraus. Claudia, ihre damalige und erste Managerin überhaupt versucht Lena zu schützen. Fans sind auf der Prioritätenliste ganz unten, nach vielen Kontaktaufbauversuchen lerne ich auch das. Man legt mir Seitens der Produktionsfirma Brainpool, über welche der Vorentscheid produziert wurde und Lenas Management läuft, nahe, weniger Kontakt zu Medien zu halten, meine Aktivitäten seien negativ aufgefallen. Sollte ich der Bitte nachkommen, werde man über eine zukünftige Zusammenarbeit nachdenken. Dies war leider nur ein Versuch mich abzuwimmeln um weniger Druck über Medien aufbauen zu können. Ich lies mich darauf ein, die Hoffnung auf eine Zusammenarbeit war groß. Mit heutiger Sicht auf den Verlauf war ich doch sehr naiv. Ich konzentriere mich nun auf das wesentliche, die Leitung und den Betrieb eines Forums und Blogs.



    Der Schritt ins echte Leben


    Der Wunsch nach etwas Größerem ist nicht nur in mir, auch eine Gruppe im Forum möchte das Projekt weiterentwickelt. Verantwortung, Finanzierung, Entwicklung - all das wurde durch mich und Spenden abgewickelt. Da wir aber alle davon ausgehen, dass Lena uns noch über viele Jahre in der Öffentlichkeit begleiten wird, wollen wir uns auf die Zukunft einstellen. Der Weg hin zu einem eingetragenen Verein wird eingeschlagen. 19 Menschen aus der virtuellen Welt treffen sich nach monatelanger Vorbereitung in der Stadt wo alles begann. "Sie alle haben sich noch nie gesehen. Satzungsentwurf, Notar, Ziele, Details, Name, Logo – alles wurde ausschließlich im Netz diskutiert." - so beschreibt Imre Grimm, ein Journalist aus Hannover es passend in seinem Artikel über die Gründung. Imre begleitet die Entstehungsgeschichte des Forums seit Beginn an, veröffentlicht viele Artikel über Lena und den Verlauf ihrer Karriere in der HAZ. Neben Lena und ihrem Management wurde auch er zur Gründung eingeladen, lehnte dies jedoch aus Interessenskonfliktgründen ab. Die Alte Feuerwache zu Köln wird zum Gründungsort des Lenaisten e.V. Es ist Samstag, der 22. Januar 2011. Nach tagelanger Nervosität leide ich an einer Erkältung. Leider erweisen sich Erkältungen bei mir immer als sehr intensiv, manche sprechen gerne von einer Männergrippe. Ich ringe mit mir. Eine Vereinsgründung, etwas verbindliches eingehen mit fremdem Menschen, dazu dann noch krank mit Fieber. Kurz bevor Berti mich abholen kommt rufe ich ihn an und sage meine Teilnahme ab. Ich fühle neben Erleichterung auch etwas Trauer. Heute ist der Tag an dem mein Projekt in die Realität über geht und ich bin kein Teil davon. Doch die Gründung ist ein Erfolg, dass erkenne ich schnell. Interviews, Kampagnen, Veranstaltungen, ja sogar ein Online-Radio, ein eigenes Wikipedia, eine Timeline die Lenas Karriere festhält, ein Blog um besonders herausragende Textbeiträge hervorzuheben, ein Videoblog. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos zu sein, der Support für Lena läuft auf Hochtouren. Mit dem direkten Ziel vor Augen: der Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf.

    Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Nach diesem Motto ist das Forum entstanden, nach diesem Motto soll ich meine aufregendste Zeit erleben. Mit dem Hintergrund eine professionelle Fotografin als Tante zu haben geht der Vorstand ins Ganze. Die Akkreditierung beim ESC in Düsseldorf, jedoch keine als Fans, sondern als Pressevertreter. Perfekte Lage für Berti und mich als NRW'ler, zwei Wochen lang vor Ort über den Contest zu berichten, selber an Pressekonferenzen und Proben teilzunehmen und eigenes Bewegtmaterial für das Forum und die Fans zu produzieren. Dann passiert es, die Akkreditierung wird vom NDR bestätigt, wir erhalten vollen Pressezugang. Ich war erstaunt, aber jetzt kann LenaistenTV voll durchstarten. Der Verein kauft eine Kamera, ein Mikro und ein Stativ darf auch nicht fehlen. Privat bringe ich eine Fotokamera mit und meine Tante unterstützt uns fotografisch zu wichtigen Terminen wie die Proben von Lena. Wir führen Interviews mit Teilnehmern, bekommen Ständchen gesungen, schleichen uns auf exklusive Delegationspartys, deutsche Legenden der ESC Berichterstattung stehen bei uns vor der Kamera und zwischendurch treffen wir Lena in der Altstadt. Unglaubliche Momente, die viel Mühe und Arbeit gekostet haben, uns allen aber einen tollen Einblick beschert haben in ein so selten stattfindenden Event im eigenen Land. Ohne die Unterstützung vor Ort durch smirn und [flip] hätten wir jedoch nie diese Masse an Eindrücken verarbeiten können.

    Nach dem Sturm kehrt aber immer auch die Ruhe ein. Nach einem erfolgreichen 10. Platz für Lena beruhigt sich die Öffentlichkeit rund um ihre Person. Intern erfolgen Vertragswechsel, Lena bekommt eine neue Managerin. Nach deutlicher Distanzierung unsererseits zu offiziellen Vertretern von Lena entsteht langsam Kontakt zwischen Management und dem Vereinsvorstand. Die Arbeit von Fans erhält eine neue Gewichtung in Lenas Karriere. Der Verein baut langsam ein vertrauensvolles Verhältnis zu Lena und ihrem Team auf. Es werden Emails und Briefe ausgetauscht, Fangeschenke und Aktionen übergeben. Der Vorstand wird zu einem intimen Treffen in die Räume von Brainpool eingeladen. Das erste offizielle Treffen mit Lena, ihrer Managerin und dem Vorstand. Und dann auch noch in den Studiohallen von Stefan Raab. Aufregend. Wir bekommen die Vorzüge, die wir uns lange erhofft haben - für uns und für alle. Videobotschaften werden überreicht, wir bekommen Eintrittskarten zu TV-Shows und Konzerten. Die Arbeit zwischen Fans und Star funktioniert.



    Das Leben nimmt seinen Lauf


    Mit der Zeit kommt auch die Veränderung. Die rosa rote Fanbrille weicht der Realität. Die Arbeit rund um einen Verein als Vorstandsmitglied, die Leitung eines Forums, die Vereinbarung von neuen Interessen und Lebensumständen. All das lässt mich zweifeln, ob ich noch der Richtige für das Fanclub Projekt bin. Doch nicht nur ich verändere mich, auch Lena wird erwachsen. Uns beide trennt ein Lebensjahr. Lena lernt wie die Musikindustrie funktioniert, sie lernt in der Öffentlichkeit zu leben. Unsere Entwicklung in die Welt der Erwachsenen und Eigenständigen verläuft in unterschiedlichster Umgebung und doch erleben wir ähnliche Schicksale. Enttäuschungen, Aufopferung, missbrauchtes Vertrauen; aber auch Liebe, Lebensfreude und Verantwortung tragen. Doch wie sehr wir beide im Prozess des Heranwachsens ähnliche Situationen durchleben, so fern ist man sich doch und das wird mir bewusst. Ich komme nicht drum herum mir eine Meinung über den Wandel der öffentlichen Lena zu bilden. Der Charme, der mich zu Beginn von Lena mitreißen ließ, ist für mich verflogen. Der Begeisterung weicht Ernüchterung, der Aufwand wird zu groß, die Interessen verlagern sich. Auch musikalisch. Ich nehme Abschied - als Vorstandsmitglied, als aktives Vereinsmitglied, als Führungsmitglied des Forums und später auch als regelmäßiger aktiver Nutzer.

    Ich erfahre eine Zeit, in der ich eine große Wandlung durchlebe. Nach meiner Ausbildung investiere ich viel Mühe und Fleiß in meine Berufung als Altenpfleger. Die Arbeit ist mir wichtig, ich kann etwas bewegen. Auch wenn ich niemals jemandem empfehlen würde einen Beruf in der Pflegebranche auszuüben und ich jeden Morgen verflucht habe, den ich früh aufstehen musste - ich habe meine Arbeit gelebt. Doch auch als junger Mensch kennt der Körper Belastungsgrenzen, die schnell erreicht sein können, wenn man den Blick auf sich selbst verliert. Grenzen, die man versucht zu ignorieren, manchmal notgedrungen. Grenzen, die man sich nicht eingestehen möchte ich denkt, sie sind in weiter Ferne. Grenzen, die mich aber am Ende doch haben spüren lassen, dass ich nicht unantastbar bin, nur weil ich ein junges Alter vorzuweisen habe. Ich erleide Rückenschmerzen - schon fast ein Garant den man mit dem Staatsexamen ausgehändigt bekommt. Von allen Seiten hört man Geschichten über Erkrankungen von Arbeitskollegen, von Ausfällen, von Langzeiterkrankten, die man noch nie zuvor gesehen hat. Ich versuche durchzuhalten, die Adventszeit steht vor der Tür, es ist Ende November. Um eine möglichst faire Aufteilung der anstehenden Arbeitsbelastung zu den Feiertagen zu ermöglichen, ist der Dienstplan für Dezember bereits vereinbart. Der Ausfall einer Vollzeitkraft, dass führt schon an normalen Arbeitstagen zu einer Katastrophe, zu Feiertagen nicht kompensierbar. Ich leide, doch die Arbeit hat oberste Priorität, dafür genieße ich ein gutes Ansehen. Es wird Januar, meine Untersuchungsergebnisse liegen vor, der Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall bestätigt sich. Da die Schmerzen unerträglich werden muss ich mich arbeitsunfähig schreiben lassen. Das war 2016. Noch heute leide ich unter den Folgen. Seit meiner ersten Krankschreibung war ich für zwei Monate arbeiten. Unglückliche Umstände führten zu einer Verschlechterung meiner Rückensituation, zuvor erreichte Verbesserungen werden überschattet. Ich lebe damit, das lernt man. Man lernt mit Situationen umzugehen, sie zu bewältigen und versucht es zu verbessern. Viele Rückschläge pflastern den Weg meiner letzten Jahre, doch meine persönliche Eigenschaft zum Drang von Positivität und Freude, sowie der starke Rückhalt meines stabilen sozialen Umfeldes festigen mich. Man kann sagen, dass ich Glück im Umglück habe.



    Der Blick ins Ungewisse


    Der Verein ist wichtig für uns - für das Forum. Das haben wir damals erkannt und daran hat sich bis heute nichts geändert. Jedes Jahr finden sich Menschen die ein Vorstandsamt antreten wollen, sie sind dafür verantwortlich, dass wir uns hier nach all den Jahren noch untereinander austauschen können. Lena spielt hier schon längst nicht mehr die wichtigste Rolle, die Community ist das höchste Gut. Ich habe die Hoffnung, dass sich auch weiterhin Menschen für bereitwillig erklären, die Aufgaben eines Vorstandsmitglieds zu erledigen, denn nur ihr haltet meinen damaligen Traum am Leben. Für die Zukunft warten viele Aufgaben und Herausforderungen auf die Verantwortlichen. Die Hochzeit der Forumsnutzung im Internet ist schon viele Jahre vorüber, der Wille sich mit anderen Menschen und Meinungen auseinanderzusetzen ist heute geringer denn je. Das Auffassungsvermögen heutiger Generationen umfasst nicht mehr seitenlange Dialoge in Threads, sondern die neuesten drei Fitnessfotos auf Instagram. Ein themenspezifisches deutsches Forum mit aktivem Leben zu füllen gelingt nur noch den Wenigsten. Dazu noch ein Fan Forum - das ist eine Rarität geworden. Schon lange befinden wir uns im digitalen Überlebenskampf, der virtuelle Nachwuchs bleibt größtenteils aus. Erschwerend hinzu kommt der Faktor, dass unser Altersdurchschnitt im Allgemeinen immer etwas höher war. All diese Entwicklungen zwingen uns zur Veränderung und Weiterentwicklung. Das müssen wir uns das können wir, so zeigt es uns die Vergangenheit. Wenn ich einen Wunsch aussprechen darf, dann wäre es der, dass wir uns alle gemeinsam unsere Rarität am Leben erhalten, so ist es doch unser persönlicher Rückzugsort - wegen uns.


    Entscheidungen, Schicksale, Erinnerungen


    3653. 3650. Zwei Zahlen die mir beim Schreiben dieses Textes bewusst gemacht haben, wie stark sich doch das Leben verändert, wie man sich als Person verändert. Dieses Forum existiert nun auf den 3653. Tag genau 10 Jahre, seit 3650 Tagen heißt es seine Besucher nun schon Herzlich Willkommen auf den heute nicht mehr ganz so Lila-Seiten. Viele Menschen haben uns in dieser Zeit begleitet und viele haben uns wieder verlassen. Manche kommen wieder, andere gingen für immer. Und doch hat jeder von ihnen einen bleibenden Eindruck bei jedem von uns hinterlassen, ob nun bewusst durch gemeinsame emotionale Erlebnisse oder unbewusst durch geschriebene Texte im Forum. Viele von ihnen - viele von uns haben dafür gesorgt, dass wir heute auf zehn gemeinsame erfolgreiche Jahre zurückblicken können. Jeder verdient seine Erwähnung an dieser Stelle, denn jeder hat zum gemeinsamen Erfolg beigetragen, ob an der Oberfläche oder im verstaubten Serverraum.

    Ich hoffe ich enttäusche jetzt niemanden, weil ich der Anforderung alle Namen nennen zu müssen nie gerecht werden kann. Ein persönliches Anliegen von mir ist es jedoch ein paar wenige aller Menschen an dieser Stelle hervorzuheben, die mich persönlich sehr stark geprägt haben und durch ihr jeweiliges Engagement uns heute ermöglichen unser großartiges Jubiläum feiern zu können. Zum einen ist da Berti, wir beide hatten eine unglaublich aufregende Zeit miteinander. Wenn mir das Jahr 2011 in Gedanken kommt werde ich sofort emotional und gerührt, unsere Reise durch Düsseldorf wird für mich immer etwas Unvergessliches bleiben. Ich bin dir sehr dankbar für die jahrelange Zusammenarbeit und die Erfahrungen, die wir zusammen für und mit dem Verein und das Forum erleben durften. Wusstet ihr eigentlich, dass wir eine kleine Saufnase und einen Sunnyboy unter uns haben? Leider haben sich auch Smirn und [flip] von Forenaktivitäten distanziert, dennoch wart ihr beide mein Halt im großen Trubel durch Deutschlands Städte und Bars. Ihr wart nicht nur Beleiter, sondern Freunde und ein wichtiger Faktor, dass ich diese Zeit aktiv erleben wollte. Für Euer Engagement werdet ihr für immer einen Platz in meinem Herzen haben. Wir haben den beiden nicht nur den erfolgreichen Verlauf unserer Arbeit beim ESC 2011 zu verdanken, sondern auch große Mitgestaltung an unserer Forumskultur und der Konfliktbewältigung aller bei uns vertretenen Generationen. Ich hoffe sehr, dass wir uns irgendwann nochmal über den Weg laufen werden.

    Neben den Menschen die mich persönlich als Freunde begleitet haben, gab es aber auch jene, die für mich und Euch alle als Partner zur Seite standen. John89 ist von Beginn an einer dieser Partner gewesen. Die wenigsten werden mit diesem Namen etwas anfangen können, aber dieser Mensch hat mit seinem kreativen Input dafür gesorgt, dass viele Projekte, die heute längst nicht mehr präsent sind, umgesetzt werden konnten und wir uns als Forum und Verein weiterentwickeln konnten. Er ist für alle Logos vom Verein verantwortlich, seine bedingungslose Umsetzung von den wildesten Ideen und Wünschen war einmalig. Als eine Art Überlebensfaktor stand damals auch ein junger Mensch namens manny91, als ich das Forum in seiner Form nicht mehr leiten konnte. Matthias wird mir zwar nicht als persönliche Bereicherung in Erinnerung bleiben, jedoch muss man ihm an dieser Stelle einen Dank ausrichten für das, was er für die Entwicklung des Forums geleistet hat. Es ist zwar nicht alles so verlaufen und es hat auch nicht so geendet wie es am optimalsten gewesen wäre, dennoch gebührt ihm hohe Anerkennung für seine intensive Arbeit rund um das Projekt. Die meisten Nutzer hier werden den iSpy am ehesten mit Matthias in Verbindung bringen können, da er diese Funtkion für uns entwickelt hat. Er hat uns jedoch sehr viel mehr Leistungen erbracht, als man sich überhaupt vorstellen kann. So sorgte er am Ende dafür, dass alle Projekte miteinander funktioniert haben uns alle Verantwortlichen im Hintergrund agieren konnten. Zu guter Letzt muss ein Mann erwähnt werden, der dem Team, dem Forum und mir nahezu seit Tag eins zur Seite stand. Bis heute hat er fast durchgehend standgehalten, trotz Ausübung mehrerer verschiedener Funktionen rund um den Verein. "Erich", wie smirn, Laura und ich ihn bei einem Vereinsfest in Berlin gerne nannten, was ihm überhaupt nicht passte, ist seit dem 13. März 2010 Teil des Teams, bereits sechs Monate später wurde er erstmals mit administrativen Aufgaben betraut. LDericher - Jörn, du bist (m)ein Grundstein unserer Entstehungsgeschichte.

    Wir können heute gemeinsam auf ein Jahrzehnt zurückblicken und uns stets die Frage stellen: Was wäre wenn? Ja, was wäre wenn... Lena sich nicht bei Stefan Raab beworben hätte? Wir wären wohl in einer solchen Konstellation nie zusammengekommen. Die Zeit lässt uns spüren wer wir sind und wer wir waren. Wo wir stehen und wo wir gehen. Wie wir fühlen und wie wir leben. Du, ich, wir - für sich oder gemeinsam. 10 Jahre Erinnerungen die uns prägen, Schicksale die uns formen, Entscheidungen die uns führen. Wir werden noch viele Herausforderungen gemeinsam bewerkstelligen müssen, damit uns dieses Hohe gut - unser Forum - auch erhalten bleibt. Damit wir uns erhalten bleiben. Doch jetzt heißt es erstmal:

    Auf Lena. Auf Uns.
    Geändert von simon (12.02.2020 um 13:24 Uhr) Grund: Neuer Download-Link

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    Wow Danke für diese Reise zurück in die Anfänge des Urknalls.Du bist also schuld....dass es "uns" gibt. Ok das war mir bekannt aber das drumherum nicht so genau.
    Ich will nicht viel labern.... jawoll Auf Lena. Auf uns Dir ein herzliches Dankeschön für Deine Mühe und Durchhaltevermögen und ebenso an alle die hier den Betrieb am laufen halten und das Forum beleben und auf die nächsten (lenaesken) Jahre
    Geändert von Schmullus (12.02.2020 um 02:47 Uhr) Grund: den Minihappybutseltagssmileyergänzt

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    Happy Birthday, Forum. Jetzt ist es bereits 10 Jahre alt.

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    Happy burtseltag lieber Simon und liebes forum

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    Happy Birthday Liebes Forum

    Danke für Alles Lieber simon

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    Ziel verfehlt Nr.248
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    Auch von mir Happy Birthday Liebes Forum und meinen Dank an Simon für diese grandiose Idee.

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    danke für die zeilen

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    Standard AW: 3653

    Vielen Dank für diesen schönen Text über die Entstehungsgeschichte des Forums, deinen persönlichen Einsatz und den der Anderen von dir genannten. Obwohl ich mich bereits im Frühjahr 2010 hier registriert habe, ist mir die frühe, „heiße“ Phase des Forums entgangen, so ist der Text für mich aufschlussreich und spannend zu lesen.

  9. zum letzten eigenen Beitrag springen | Top | #9
    Selbsternannter Benutzer
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    Standard AW: 3653

    Als ich mich am 18. Juni 2010 hier anmeldete, hatte ich das Gefühl, ein Neuer in einer schon ewig bestehenden Institution zu sein. Unter Leuten, die sich schon ewig kennen, die feste Rituale und Insiderwitze haben, die alle Aspekte des Fanseins schon gründlich ausdiskutiert haben und die gemeinsam mit LML einen langen Weg durch Dick und Dünn gegangen sind. Man las sich ein und konnte sich nach kurzer Zeit kaum noch vorstellen, dass es das Forum jemals nicht gab. Und dabei war es damals gerade verdammte vier Monate alt ...

    Kurz, @simon, Du hattest zur richtigen Zeit den richtigen Riecher und einen Raum geschaffen, der sozusagen danach drängte, geschaffen zu werden. Danke dafür – auch für den schönen (und recht aufschlussreichen) Jubiläumstext.

    Ob ich Lenas Laufbahn noch verfolgen würde, wenn es das Forum nicht gäbe, die Frage lasse ich mal unbekümmert offen. Aber wenn ich hier immer noch fast täglich vorbeischaue, dann hat das tatsächlich nur noch wenig mit Lena zu tun. Eher damit, dass ich gucken will, was Doc Landshut, Brummell oder Zampano so treiben (zum Beispiel). Wäre schön, wenn das erhalten bliebe.
    Geändert von bates (12.02.2020 um 15:04 Uhr) Grund: Satzbau

  10. zum letzten eigenen Beitrag springen | Top | #10
    im Lena-Fieber
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    Standard AW: 3653

    Ich lese hier dauernd "Liebesforum".

    Na, ist es ja in gewisser weise auch. Danke an Dich, @Simon, für die Gründung und den Aufbau, danke allen, die Dich nterstützt und die Arbeit fortgeführt haben, und danke allen, die den Laden ducht ihre Beiträge lebendig halten.

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    Standard AW: 3653

    Danke, simon, für den wirklich interessanten Beitrag, danke, dass du dieses Forum gegründet hast, und danke an dich und alle, die es seitdem am Leben erhalten haben und hoffentlich noch lange am Leben erhalten werden. Und ich wünsche dir, dass es dir gesundheitlich wieder besser gehen möge.

    Auch danke ich allen, die dieses Forum mit interessanten, informativen, lustigen und lästigen Beiträgen mit Leben füllen.

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    JeSuisCharlie
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    Standard AW: 3653

    Danke Simon für deinen Beitrag. Als eher Spätberufener im Forum hatte ich von den Schwierigkeiten das Projakt aus der Taufe zu heben und dann auch noch zum Laufen zu bekommen eigentlich keine Ahnung. Durch deinen Artikel vermittelst du davon wenigstens rudimentäre Eindrücke. Wirklich nachvollziehbar ist das hyperventilierende erste Jahr des Forums aber wohl nur wenn man dabei war.

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    fix your hearts or die
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    Standard AW: 3653

    Schöner Beitrag, simon.

    Ja, es ist interessant auf sich und die Welt von vor 10 Jahren zurückzublicken, vieles fühlt sich unfassbar weit entfernt an. Dass sich das Forum als Konstante durch alles durchgezogen hat, hat irgendwie etwas Schönes und Familiäres. Man liest die Namen die man schon seit zehn Jahren liest (mal mehr, mal weniger), und hat das Gefühl, sich schon ewig zu "kennen". Hoffentlich liest man sich noch eine Weile.

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    Standard AW: 3653

    Auch ich möchte mich bedanken. Kaum zu glauben, dass es mal ein Leben ohne Lena und dem ihr gewidmeten Forum gab.
    @simon: Tut mir leid von deinen gesundheitlichen Problemen zu lesen.
    Altenpfleger ist ein Knochenjob und wird immer noch zu schlecht bezahlt.

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    Standard AW: 3653

    Ein sehr schöner Beitrag zum 10-jährigen und ein toller Einblick in die Anfänge von Forum und Verein, vielen Dank Simon!

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