Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Daniel Küblböck
Mir geht - unabhängig von den aktuellen Schlagzeilen - der Ende des letzten Jahres verstorbene Ulli Lommel (bekannt vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Fassbinder) durch den Kopf, den ich früher mal kannte, und dass ich später erstaunt war, als ich erfuhr, dass er die Regie bei dem von Peter Schamoni produzierten Film "Daniel und der Zauberer" über und mit Daniel Küblböck übernommen hatte.
Stimmt, das hatte ich auch mal gehört und dann irgendwann wieder vergessen – diese Info, zusammen mit dem, was @esiststeffen über den Film schreibt, weckt in mir gerade ganz heftig den Drang, ihn demnächst mal zu gucken – ich fürchte, ich habe ein Herz für sowas. ;) Die einzige positive Kritik weit und breit zu dem Film ist hier archiviert (http://www.filmzentrale.com/rezis/danielderzauberer.htm) und klingt auch recht vielversprechend :D.
Küblböck fand ich damals ganz ulkig, ohne dass er mich besonders tangierte. Irgendwann, lange nach seinem Karrierezenit, als er sich schon als Jazz-Sänger versuchte, war er mal im Interview bei RadioEins, da hab ich ihn dunkel als eher ernsthaft und nicht unsympathisch in Erinnerung. Die heftigen Emotionen, die er, auch unter Foris, offenbar zum Teil ausgelöst hat, kann ich nur bedingt nachvollziehen (und "Mitleid" finde ich besonders eigenartig). Was jetzt passiert ist, ist natürlich sehr traurig.
Es gibt eine Tagesspiegelreportage von 2015 anläßlich seiner Lets Dance Beteiligung. Die ist ziemlich sachlich und aufschlussreich.
https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/lets-dance-daniel-kueblboeck-versucht-das-comeback/11497060.html
Suche wurde von kanadischer Seite offiziell aufgegeben. Einige hoffen weiter.
https://www.mopo.de/news/promi-show/daniel-kueblboeck-vermisst-kuestenwache-stellt-suche-ein---familie-hofft-auf-ein-wunder-31238862
Auf der Fanclub Facebookseite wird diskutiert. Seine Fans tun mir wirklich leid!
https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=2048416465277792&id=497788473673940&anchor_composer=false&ref=page_internal
esiststeffen
11.09.2018, 21:49
:ugly:
Ist aber wirklich ernst gemeint. Wir hatten in der Grundschule immer diese "Freundebücher" (meistens von Diddl), wo sich alle drin verewigen und vorgefertigte Steckbriefe ausfüllen konnten. In mein altes Freundebuch hat fast jeder bei "Lieblingssänger" Daniel (oder Alexander Klaws) angegeben oder bei "Lieblingssong" irgendwas von Daniel (und irgendwer hat den Song "Heartbeat" als "Hokmi Tokmi" verstanden und das da auch so reingeschrieben, das ist heute noch ein Running Gag :ugly:)
Achja und was mir auch noch einfällt: Wir haben früher immer leere Kassetten aufgenommen und da immer unsere eigene Radioshow draufgequatscht. Wir haben dann immer so getan, als würden uns irgendwelche Promis besuchen und live im Studio meines Zimmers für uns singen, obwohl wir natürlich immer nur den CD-Player neben den Kassettenrekorder gestellt und irgendwelche Songs abgespielt haben. Irgendwann war dann halt auch mal Daniel Küblböck der Stargast von mir und meiner besten Freundin. Also CD in den Player, Kassettenrekorder auf Aufnahme. "UND JETZT SINGT HIER DANIEL KÜBLBÖCK LIVE SEINEN NEUEN SONG-" und dann hatte die CD nen Sprung und hing die ganze Zeit an derselben Stelle. Als professionelle Radiomoderatorin habe ich den Auftritt dann abgebrochen und dem Publikum erklärt, dass der arme Daniel leider eine Stimmkrankheit hatte und jetzt nicht auftreten könnte :D Nachdem mein Vater den Staub von der CD gewischt hatte, war er dann wieder wundersamer Weise gesund :D
Also ja. Daniel Küblböck als Grundschulidol - passt schon :D
:lolschlag: Danke für das Teilen dieser genialen Geschichte!
(Und ich gebe auch ganz ehrlich zu: Ich hätte nicht gedacht, dass es jemals Schulklassen gab, in denen Daniel überwiegend beliebt war .... :X)
Es gibt eine Tagesspiegelreportage von 2015 anläßlich seiner Lets Dance Beteiligung. Die ist ziemlich sachlich und aufschlussreich.
https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/lets-dance-daniel-kueblboeck-versucht-das-comeback/11497060.html
:daumen: Danke für diesen interessanten Fund! Und vor allem an einer Stelle musste ich stutzen:
Vielleicht hilft ein Blick in seine Autobiografie. Die hat er bereits 2003, im Alter von 18 Jahren, veröffentlicht. Sie heißt „Ich lebe meine Töne“ und wird längst nicht mehr verlegt, wer sie kaufen möchte, muss ins Antiquariat. Küblböck beschreibt darin ausführlich seine schwierige Kindheit, Probleme mit Mama und Papa, das Anderssein, Außenseitertum. Und er erklärt auch, warum er ins Showgeschäft wollte. Nämlich nicht, um ein Star zu werden. Auch nicht aus Geldgier. Er schreibt: „Ich bin geil darauf zu zeigen, was in mir steckt.“
Ich hatte ja schon oben auf meine gelegentlichen Vergleiche mit Pop-Phänomenen wie Lena und Tokio Hotel verwiesen. Und dieses Zitat aus dem Tagesspiegel erinnert mich fast wörtlich an etwas, was ich vor einiger Zeit mal hier in diesem Forum über die beiden Genannten schrieb:
Ich würde eben gar nicht mal sagen, dass diese Unterschiede zwischen Lena und Tokio Hotel nur die Folge des unterschiedlichen Umgangs mit ihrem Starruihm sind. Eine der auffälligsten Gemeinsamkeiten zwischen beiden ist ja, dass der musikalische Durchbruch für sie praktisch komplett von null auf hundert erfolgte; gleich die allererste Single stieg jeweils sofort auf Platz 1 ein. Und beiden ist gemein, dass dieser Durchbruch praktisch von der Schulbank weg erfolgte. Und naja, ich habe mir schon oft vorgestellt, wie Lena wohl vor USFO drauf gewesen sein wird, wie sie von anderen gesehen wurde, wie sie sich selbst gesehen hat. Und ich stelle mir schon die jugendliche Lena halt immer als ein zwar natürlicherweise im Mittelpunkt stehendes, aber überwiegend beliebtes, geschätztes, gut in den Klassenverband integriertes (omg, ich fühl mich grad wie ein Lehrer beim Zeugnisschreiben) und nicht zuletzt auch bescheidenes Mädchen vor. Bei den Kaulitz-Brüdern habe ich hingegen eher das Gefühl, dass diese sich schon während ihrer Jugend eher als unverstandene Außenseiter gefühlt haben, für die dann vielleicht (!! .... und ja, mir ist bewusst, dass es hier gerade schon seeehr küchenpsychologisch wird ;)) gerade ihre Musik und ihr Plattenvertrag auch ein Stück weit mit dem Gefühl verbunden waren, es nun endlich allen zu beweisen. Dass genau dieser Erfolg sich dann tatsächlich einstellte, und in was für einem Maße, war für sie vielleicht dann auch eine Bestätigung für ihr schon immer innegehabtes Gefühl des Anders-, Besondersseins. Dass die beiden überhaupt fähig wären, ein "bürgerliches" Leben im Wortsinn zu führen, kann ich mir irgendwie nicht so recht vorstellen – da ist Lena, so wie ich sie sehe, dann doch aus ganz anderem Holz geschnitzt. Wäre Lena nicht berühmt geworden, würde sich ihr Leben heute in der Tat durch nichts von dem der Mehrheit ihrer Altersgenossinnen unterscheiden, davon bin ich fest überzeugt ..... dass hingegen ein Bill Kaulitz, wenn es mit dem musikalischen Durchbruch nicht geklappt hätte, sagen wir Versicherungskaufmann oder Chemielaborant geworden wäre, kann ich mir tatsächlich nur sehr schwer ausmalen ;)
(und ja, grad mit dem letzten Satz geb ich dir Recht; falls sie eines Tages mal tatsächlich nicht mehr von ihrer Musik leben können, werden die Herren Kaulitz sich mal noch ganz schön umgucken ....)
Auch auf Küblböck treffen die genannten Umstände zu: Ein Teenager aus der Provinz, der von jetzt auf gleich aus völliger Unbekanntheit zu einer der prominentesten (und polarisierendsten) Persönlichkeiten dieses Landes avancierte. Und ja, natürlich gehe ich nicht davon aus, dass hier irgendjemand seine Autobiografie gelesen hat (oder, Birthy?! :whistle:); aber so wie es das Porträt aus dem Tagesspiegel andeutet, scheint es sich ja bei ihm in der Tat ein bisschen so ähnlich zu verhalten wie in meiner Interpretation der Kaulitze: Das Showbiz als Rettungsanker eines unverstandenen Außenseiters. Wie gesagt, ich möchte hier ungern Küchenpsychologie betreiben; und ich würde es jetzt auch für deutlich zu verkürzt halten, aus diesem Gedanken eine direkte Linie zu seinem mutmaßlichen Suizid zu ziehen. Aber dennoch: Das ist ein Gefühl, das ich bei Lena in der Tat nie hatte .... ;)
Neuigkeiten:
http://www.spiegel.de/panorama/leute/daniel-kueblboeck-dsds-kandidaten-trauern-oliver-kalkofe-kritisiert-netz-debatte-a-1227587.html
Auch Oliver Kalkhofe hat sich geäußert.
Auch die Sueddeutsche schrieb etwas:
https://www.sueddeutsche.de/panorama/verschwinden-von-daniel-kaiser-kueblboeck-ich-bin-der-sohn-der-nation-1.4125199
@esiststeffen: Du würdest es ja fast im Alleingang schaffen, mich in ein Tokio-Hotel-Fandom hineinzuquatschen. Fast ausnahmslos alles, was Dir an ihnen (wenn ich Dich richtig verstehe) nicht gefällt, kommt bei mir auf der Plus-Seite an: unverstandene Außenseiter, ticken anders als der Durchschnittsdeutsche, sind unfähig, ein bürgerliches Leben zu führen, kann man sich nicht im normalen Berufsleben vorstellen usw. usf. – Das klingt alles schon recht sympathisch und interessant – wie schade, dass die Musik so langweilig ist. Deswegen wird es bis auf Weiteres wohl doch nichts mit dem Fantum. ;)
Was Daniel K. betrifft, will ich meine Bemerkung aus meinem letzten Posting in puncto "Mitleid" nochmal etwas präzisieren: Mit Blick auf die brutalen Mechanismen von Castingshows, Boulevardpresse und öffentlicher Meinung, die in seinem Fall besonders deutlich werden, konnte man natürlich schon Mitleid mit ihm haben. Aber ich würde trotzdem widersprechen, wenn jemand sagt, es wäre für den Jungen besser gewesen, nicht zu einem Fernsehstar zu werden. Ob er in einem "normalen" Leben außerhalb des Rampenlichts glücklicher geworden wäre, kann niemand sagen. Das schillernde Leben, das er geführt hat, war vielleicht genau das, was er immer wollte – oder kam zumindest näher dran als jeder vermeintlich normalere, gesündere Weg.
Bester Artikel bisher:
https://www.zeit.de/amp/kultur/musik/2018-09/daniel-kueblboeck-verschollen-kreuzfahrt
Bildblog hat sich mal wieder die Berichterstattung der Bild zur Causa Küblböck vorgenommen.
https://bildblog.de/101933/betr-daniel-kueblboeck/
Am Ende des Artikels dann eine Info, daß man Hilfe bei der Telefonsorge erhalten kann sowie im Anschluß eine Info, daß BILDblog Hilfe (finanzieller Natur) benötigt ...
So tragisch die Story auch sein mag: Warum ist der Küblböck eigentlich medial so relevant? Der hat vor 14 jahren DSDS nicht gewonnen.. :gruebel:
Ist das noch ein Sommerloch Phänomen?
vampire67
13.09.2018, 23:58
So tragisch die Story auch sein mag: Warum ist der Küblböck eigentlich medial so relevant? Der hat vor 14 jahren DSDS nicht gewonnen.. :gruebel:
Ist das noch ein Sommerloch Phänomen?
Wenn du ein paar der posts gelesen hättest würde man merken das da wohl bei jedem etwas dazu hängen geblieben ist :)
Powered by vBulletin® Version 4.2.0 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.