Dass die Duffers große Stephen-King-Fans sind, war immer klar, und die Anlehnungen an sein Opus magnum
It sind gerade in der letzten Folge immens und überdeutlich (das betrifft auch die wahre Gestalt des Mind Flayers, fällt mir gerade ein). Diesem Roman aber hat er folgendes Motto vorangestellt: "Kids, fiction is truth inside the lie, and the truth of this fiction is simple enough: The magic exists." Und seinem Erzählungsband
Nightmares and Dreamsscapes stellt er sogar einen ganzen "Katechismus" an Glaubenssätzen voran, die man vor dem Lesen aufsagen soll, und die man zu "I believe the magic exists" zusammenfassen könnte.
Stranger Things war immer ganz und gar aus diesem Spirit erzählt, und wenn die Freunde am Ende der Reihe nach "I believe" sagen, schließen sie daran m.E. ganz explizit an.
Dabei wäre es unpräzise, einfach zu sagen, dass sie glauben, Eleven hat überlebt. Nein, dass sie "in der Realität" nach allem, was recht ist, nicht überlebt haben kann, ist ihnen durchaus bewusst – die "erwachsene" Sicht der Dinge. Aber sie
entschließen sich, zu glauben, dass Eleven lebt und an ihrem
Locus amoenus angekommen ist. Sie entschließen sich dazu, weil es ihnen Kraft gibt, weiterzumachen und weiterzuziehen – es ist der Schatz, den sie aus ihrer Kindheit mitnehmen können, die, das ist hier ja überdeutlich inszeniert, mit diesem letzten D&D-Spiel endgültig zu Ende geht. Ein kollektiver Akt der "
willing suspension of disbelief", wenn man so will. Der aber ist die Eintrittskarte in fiktionale Welten schlechthin – für uns als Zuschauer von
Stranger Things die Voraussetzung, uns überhaupt auf diese Welt einlassen zu können. Ob wir dann am Ende "die erwachsene Sicht" auf die Dinge mitnehmen wollen oder, pathetisch gesagt, den Glauben an Wunder – das können wir selbst entscheiden. Und das finde ich genial gelöst.

Auch die "Wachablösung" am Ende – die junge Generation übernimmt, Mike schaut noch einmal zugleich wehmütig und getröstet zurück und schließt dann die Tür (zur Kindheit) hinter sich - ist toll.
Nun aber doch noch ein Kritikpunkt zur Handlungslogik: Ich verlange gar nicht, dass in einer Serie reihenweise Hauptfiguren sterben müssen – ich würde sogar sagen, dass das zum Spirit von
Stranger Things nicht passt (es ist eben weder GoT noch BB). Nein, es ist schon in Ordnung, dass (fast) alle überleben. Aber dann kann man sich eben auch die ständigen (und immer absurder werdenden) "Rettung in letzter Sekunde"-Szenen sparen (oder sie zumindest sparsamer einsetzen). Sie sind halt null spannend, weil man ohnehin weiß, es wird alles gut gehen. Die "willing suspension of disbelief" wird hier dann doch ein bisserl überstrapaziert (Der Tiefpunkt in der Staffel war hier mit der Szene im Waschkeller erreicht.)